Organisationen in Zeiten des Wandels

Organisationen in Zeiten des Wandels

Sind Sie bereit für den Flüssigzustand?

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Change und Transformation. Während Change eher linear ist und der Optimierung bestehender Prozesse oder Strukturen dient, ist Transformation sehr viel tiefgehender und ganzheitlicher. Bei der Transformation verändern sich, wie das Wort schon sagt, radikal die Form eines Organismus an sich und damit auch seine Funktionalität. Daraus entstehen komplett neue Möglichkeiten und Resultate.

Wenn Sie die derzeitigen Strömungen in der Organisationsentwicklung in Richtung „New Work“ betrachten, wird eines relativ schnell klar. Um eine bestehende Organisation, die noch nach dem traditionellen Muster funktioniert, in diese neue Richtung zu entwickeln, ist mehr als ein bloßer Change-Prozess notwendig. Es braucht eine tiefgreifende Unternehmens-Transformation. Der gesamte Organismus „Unternehmen“ muss sich neu ausrichten und eine neue Form annehmen. Gesetze, die bisher gegolten und Prozesse, die bisher funktioniert haben, werden irrelevant und müssen Platz für neue Gesetzmäßigkeiten machen. Und dies betrifft nicht nur einzelne Bereiche, sondern den kompletten Organismus, also das gesamte Unternehmen.

Keine Transformation ohne Flüssigzustand

Wenn Sie das Beispiel der Transformation einer Raupe zum Schmetterling betrachten, gibt es während des Prozesses ein Stadium, in dem das, was vorher Raupe war, sich vollkommen auflöst und verflüssigt, bevor die Zellen sich neu formieren und zum Schmetterling mutieren. In diesem Zustand ist das Wesen weder Raupe, noch Schmetterling. Dieser vorübergehende Flüssigzustand ist Teil und auch Voraussetzung einer jeden Transformation. Ohne Flüssigzustand gibt es keine Transformation!

Dasselbe gilt für Sie als Mensch, aber auch für Organisationen. Jeder Mensch hat eine sogenannte Box. Ihre Box ist gemacht aus Ihren Erfahrungen, Ihrer Erziehung, Ihren Meinungen, Ihren Konditionierungen etc. Es ist die Art und Weise, wie Sie die Welt sehen und wahrnehmen, was Sie für möglich halten und was für nicht möglich. Andere Worte dafür sind Ihr Ego, Ihre Persönlichkeit, Ihre Weltsicht oder die Mentalität. Die Box beinhaltet auch Ihre Komfortzone, in der Sie sich auskennen. In Ihrer Box bleibt alles beim Alten – es passiert nichts Neues hier – denn Ihre Box hat den Zweck, Ihr Überleben zu sichern. Und nicht nur Menschen haben eine Box, sondern auch Familien, Organisationen, Unternehmen, Dörfer, Städte, Länder, … Die Box schreibt vor, wie die Organisation funktioniert, was getan und geglaubt werden darf und was nicht.

Solche Boxen sind ziemlich hart und unflexibel. Wenn Sie also Ihre Box verändern wollen oder wenn sich die Box einer Organisation verändern soll, sodass etwas völlig anderes möglich wird, braucht es einen Transformationsprozess. Und wie oben ausgeführt: ohne Flüssigzustand gibt es keine Transformation! Das heißt die Box, die bekannte Form muss erst in einen Flüssigzustand übergehen, bevor sie eine neue Form annehmen kann.

Soweit so gut. Das Problem ist allerdings, dass sich dieser Flüssigzustand sehr „unangenehm“ anfühlen kann. Es macht automatisch Angst, wenn sich das Bekannte auflöst und gleichzeitig das Neue noch nicht sichtbar ist. Unsicherheit macht sich breit, das Gefühl von Gefahr und die Frage: „Werden wir es überleben?“. Diese Angst vor dem Flüssigzustand ist es, die uns meist daran hindert, uns zu unserer nächsten Evolutionsstufe (also im übertragenen Sinne zum Schmetterling) zu transformieren.

Die Organisation im Flüssigzustand – wie geht das

Dieser Prozess ist schon bei Einzelpersonen meist schwierig, in einer Organisation potenziert sich dieser Effekt aber noch. Angst und Unsicherheit sind hier noch viel größer, da die wenigsten Menschen gelernt haben, mit Angst und Unsicherheit umzugehen. Im Grunde ist Angst ein ganz natürlicher Begleiter im Leben. Denn Leben heißt Entwicklung und Evolution. Das heißt Leben beinhaltet Zeiten, in denen wir den sicheren bekannten Hafen verlassen (müssen) und uns auf den Weg zu neuen Ufern machen (müssen), um auf unsere nächste Entwicklungsstufe zu gelangen. Da ist Angst total natürlich. Allerdings hat Angst in unserer Gesellschaft keinen guten Ruf – Angst ist verpönt, und das vor allem im Business. Angst gilt als unprofessionell. Also versuchen wir mit aller Gewalt den Status Quo aufrecht zu erhalten oder zumindest auch in Zeiten des Wandels die Kontrolle zu behalten, nur um diese Angst nicht fühlen zu müssen.

Wie kann nun eine Organisation den schwierigen Weg durch den Flüssigzustand nehmen, um die derzeit notwendige Transformation zu durchlaufen? Einerseits ist es wichtig, dass alle Beteiligten sich darüber bewusst sind, dass ein Flüssigzustand normal und sogar notwendig ist, um langfristig neue Resultate zu erzielen. Auch Bewusstsein darüber, dass sich dieser Zustand unbequem anfühlen und Angst erzeugen kann, sollte geschaffen werden. Weiterhin braucht es die Bereitschaft aller Beteiligten, gemeinsam durch diesen Flüssigzustand zu gehen. Die Bereitschaft sich in Neuland zu wagen, auch wenn das vielleicht heißt, alte und lieb gewonnene Gewohnheiten und Altbewährtes aufgeben zu müssen. Wenn nicht alle oder nicht die überwiegende Mehrheit damit einverstanden sind, wird es schwierig mit der Transformation. Stellen Sie sich nur die Raupe vor: wenn zu viele Zellen sich weigern würden, die Transformation mitzumachen, würde nie ein „funktionierender“ Schmetterling entstehen können.

Zusätzlich sehr hilfreich für Transformationsprozesse in Organisationen sind Menschen, die bewusst durch solche Flüssigzustände navigieren können – sich selbst und andere. Nennen wir sie mal Transformations-Begleiter oder Edgeworker. Menschen die es gewohnt sind oder zumindest nicht panisch werden, wenn sie am Rande ihrer Komfortzone bzw. der Komfortzone der Organisation tätig sind, um den Weg ins Neuland zu bahnen. Menschen, die mit ihrer Angst auf Du und Du sind, und kein Problem damit haben, wenn es vorübergehend unsicher und unbequem wird. Menschen, die in der Lage sind, Zeiten der Ungewissheit und des Nicht-Wissens auszuhalten. Menschen, die sich trauen, auf dem Weg Neues auszuprobieren, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht funktioniert.

Und jetzt mal ehrlich: Wie viele Menschen kennen Sie in Ihrer Organisation, die diese Fähigkeiten haben? Gerade in den Führungsetagen sind solche Edgeworker eher selten zu finden, denn Flüssigzustand bedeutet auch, die Kontrolle ein Stück weit aufzugeben. Und das war in traditionellen Unternehmen niemals Teil der Führungsaufgabe. Es kann also notwendig werden, dass Sie solche Edgeworker zunächst erst ausbilden müssen oder Sie holen sich externe erfahrene Transformations-Begleiter als Unterstützung. Am besten wäre allerdings eine Kombination aus beidem.

Bevor Sie also einen notwendigen Transformationsprozess in Ihrer Organisation anstoßen, prüfen Sie zunächst, ob alle Beteiligten bereit sind für den Flüssigzustand.

Komm, lass uns spielen!

Komm, lass uns spielen!

Spielen als Schlüsselfaktor für Zukunftsfähigkeit in Unternehmen

Wenn wir kleine Kinder oder auch bestimmte Jungtiere wie Katzen oder Hunde beobachten, können wir sehr schnell erkennen, dass das freie Spielen eine Art ist, wie höher entwickelte Lebewesen ohne Druck die Welt für sich entdecken und entscheidende Interaktionen mit der Umwelt erlernen. Selbst die hundertste Wiederholung derselben Aktion macht während des freien Spielens keine Mühe, sondern dient der Verfeinerung der Fähigkeiten.

Gerald Hüther sagt in seinem Weimarer Vortrag vom 8. März 2015 über das Spielen: „Es ermöglicht schon den Tieren und erst recht uns Menschen das Ausprobieren all dessen, was dem betreffenden Tier- oder Menschenkind möglich ist.“ Spielen setzt auf einfache Art unsere Potenziale frei. Aber nicht nur für die eigene Entwicklung ist das Spielen ein nützlicher Akt, sondern auch für die Entwicklung der Welt an sich, also die Evolution.

Bahnbrechende Erfindungen und Innovationen werden in der Regel durch freies, nicht reglementiertes Spielen gemacht – entweder in Form von Experimentieren und Ausprobieren oder auch nur in Form von Gedankenspielen.

Obwohl also das Spielen und Experimentieren für die eigene Entwicklung, aber auch für die Evolution eine entscheidende Bedeutung hat und uns sozusagen als menschliches Grundhandwerkszeug mitgegeben wurde, hat es in unserer modernen Kultur und Zivilisation offenbar dennoch an Bedeutung verloren. Dies könnte passiert sein durch die Verknüpfung des Spielens mit zwei Grundannahmen:

  1. Spielen ist nutzloser Zeitvertreib, der hauptsächlich für Kinder bestimmt ist
  2. Beim Spielen geht es um Gewinnen und Verlieren

Wenn Sie mal in sich hineinhören, werden Sie diese zwei Grundannahmen irgendwo in Ihrem System entdecken. Das Problem dabei ist, dass uns diese zwei Grundannahmen zu einem bestimmten, im gewöhnlichen Kontext gewünschten Verhalten verführen, welches der eigenen Entwicklung und der Evolution im Wege steht: wir hören irgendwann auf, frei zu spielen und wenn wir als Erwachsene spielen, spielen wir, um zu gewinnen. Dies schränkt die Kraft und die Möglichkeiten, die uns ursprünglich durch das Spielen zur Verfügung stehen, enorm ein. Es ist als ob wir ein Hochleistungs-Werkzeug an unserem Werkzeuggürtel hätten und es nicht benutzen, weil wir glauben, es sei ein „nutzloses Spielzeug“.

Dabei ist das Spielen eine natürliche, uns innewohnende Fähigkeit, die der Entwicklung und Evolution dient und die wir auch als Erwachsene nutzen können.

Wann genau hören wir auf zu spielen?

Das Ende des freien Spiels beginnt mit unserer Einschulung. Ab diesem Zeitpunkt wird unsere Lebenszeit in Arbeit-/Schulzeit und Freizeit aufgeteilt. Das Spielen, das eigentlich eine Form des Lernens darstellt, wird degradiert zu einer unnützen Freizeitaktivität, die gerade noch der Entspannung dient und die man sich als Kind noch leisten darf. Sobald aber der „Ernst des Lebens“ beginnt – hat das Spielen ausgedient. Spielen ist zu chaotisch und nicht-linear, das Ergebnis zu wenig berechenbar und wird daher durch unsere logisch-rationale, industrielle Welt als nicht effizient genug abgestempelt und durch standardisiertes und reglementiertes Lernen ersetzt. Das Leben ist schließlich kein Spiel und wir müssen entsprechend früh darauf vorbereitet werden.

In der Vergangenheit mag dies noch einigermaßen funktioniert haben. Doch in einer Welt, in der sich die Geschwindigkeit der Veränderung exponentiell entwickelt, könnte dieses reglementierte, standardisierte Lernen den Untergang der menschlichen Spezies bedeuten, da sie dazu führt, dass wir uns zu langsam entwickeln.

Ich gewinne – du verlierst

Durch die Degradierung des Spielens wird dieser uns natürlicherweise innewohnende Trieb in das Unbewusste verlagert. Das heißt wir leben unseren Spieltrieb weiter aus, sind uns dessen aber nicht bewusst. So wird das Spielen ein gefundenes Fressen für den Schattenanteil in uns – den Gremlin. Wir fangen an, Spiel’chen zu spielen und zwar nach dem Muster: „Ich gewinne – du verlierst.“ Diese Spielart versucht dem Spielen insofern noch einen persönlichen Nutzen abzugewinnen, dass sie die Möglichkeit eröffnet, das Spiel zu gewinnen, während andere verlieren. Dieser Nutzen liegt einerseits in Genugtuung und Ehre, kann sich aber auch ganz konkret im Gewinnen von Ressourcen, wie Geld, Macht, Status, Recht haben, etc. zeigen. So mutiert das Spielen, das ursprünglich dem Lernen, der Entwicklung und der Evolution dient, zum Wettkampf um persönliche Vorteile. Es gibt Gewinner und Verlierer. Und wenn Sie mal bewusst hinsehen, werden Sie feststellen, dass diese Art von Spiel das beliebteste unbewusste Spiel auf der Welt ist – einzelne spielen es, Unternehmen spielen es, Nationen spielen es. Unser komplettes Wirtschaftssystem basiert auf diesem Spiel!

Doch leider bleibt die Entwicklung und Evolution bei dieser Art des Spiels auf der Strecke. Es führt stattdessen dazu, dass wir uns gegenseitig und unseren Planeten ausbeuten und Kriege führen – im Großen wie im Kleinen.

Spielen – alte und neue Sichtweise

Es ist Zeit, dass wir das Spielen wieder salonfähig machen, es aus dem Unterbewussten zurückholen und in unser Leben – auch als Erwachsener – integrieren. Hier eine Gegenüberstellung der traditionellen Sichtweise auf das Spielen und einer möglichen neuen Sichtweise auf das Spielen:

Bedeutung von Spiel –
konventionelle Sichtweise
Bedeutung von Spiel –
alternative Sichtweise
Ist nicht ernst – SpielereiIst Hingabe
Das Leben ist kein SpielMacht fit für’s Leben
Es gibt Spielregeln – findet im vorgegebenen Rahmen stattBahnbrechende Entwicklungen finden beim nicht reglementierten Spielen statt
Mit Spielen kommst du nicht weitSpielen macht den Meister
Ist was für KinderIst was für jeden – wir hören nicht auf zu lernen
Darf man nur in der FreizeitIst in allen Lebenslagen nützlich
Ist nicht professionell – hat im Arbeitsleben nichts verlorenEvolution, Innovation, Erfindungen entstehen aus dem Spielen
Dient der Entspannung und dem ZeitvertreibLässt uns erfahren, was funktioniert und was nicht funktioniert
Es geht um’s GewinnenSpielen ist eine nicht lineare Art des Lernens
Es gibt nur einen oder wenige GewinnerIst ein Gewinn für alle, da es der Evolution dient
Hängt vom Glück abHängt vom Tun ab
Wenn du nicht schummelst, bist du dummSchummeln macht keinen Sinn
Konkurrenz, WettkampfTeam, Zusammenarbeit, Co-Kreieren
Basiert auf Mangel in Bezug auf die Ressourcen, die gewonnen oder verloren werden könnenBasiert auf Fülle, erzeugt Fülle
Ich gewinne – du verlierst (da nicht genug für alle da ist)Gewinnen geschieht – das Spielen an sich ist ein Gewinn

Bewusstes Spielen statt unbewusst Spiel’chen zu spielen

Dies würde allerdings bedeuten, dass wir das freie Spielen von Anfang an wieder als nützliches Lernwerkzeug betrachten. Wie würde die Schule der Zukunft aussehen, die auf dieses Prinzip vertraut? Vielleicht würden Lehrer dann zu Raumhaltern für bewusstes freies Spielen ihrer Schüler werden? Und was könnten Kinder dann alles lernen, anstatt bloßes Wissen in ihren Köpfen zu speichern?

Und es würde bedeuten, dass wir auch als Erwachsene nicht aufhören, das Spielen als bewusste Entwicklungsmöglichkeit zu benutzen. Auch im Arbeitsleben, also auch in Unternehmen. Wenn wir im Arbeitsleben nicht spielen, halten wir einen Großteil unseres in uns schlummernden Potenzials zurück. Immer wenn wir also etwas verändern oder uns entwickeln wollen, würden wir einfach ein paar Leute einladen (oder ein Meeting einberufen) und gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen, Optionen durchspielen und neue Vorgehensweisen erfinden.

Wenn Sie z.B. die Beziehung zu einem Geschäftspartner verbessern wollten, könnten Sie in Ihrem Spielteam ein Rollenspiel durchführen. Einer übernimmt die Rolle des Geschäfts-Partners, Sie fangen ein Gespräch mit ihm an und die übrigen Teammitglieder geben Ihnen Feedback und Coaching darüber. Wenn Sie mehr Kunden generieren wollten, würdet Sie gemeinsam vielleicht ein paar typische Situationen durchspielen – auf der Messe, bei einem Netzwerktreffen oder einem Kongress – und damit experimentieren, fremde Menschen anzusprechen und ihnen von den Produkten und Dienstleistungen Ihres Unternehmens zu erzählen. Sie würden recht schnell herausfinden, was funktioniert und was nicht funktioniert.

Ein bewusst gehaltener Spiel-Raum gibt uns die Möglichkeit, zahlreiche Optionen auszuprobieren, ohne negative Konsequenzen. Fehler machen ist dabei erlaubt – ja sogar erwünscht. Es ist ein gemeinsames Co-Kreieren, bei dem sich alle in den Dienst des Einzelnen und der Evolution stellen. Und es macht gleichzeitig Spaß, gemeinsam spielerisch zu kreieren. Bei dieser Art des bewussten Spiels macht es auch überhaupt keinen Sinn, zu schummeln – denn es gibt keine Gewinner oder Verlierer. Dieses Spiel heißt GEWINNEN GESCHIEHT!

Viel Spaß beim Spielen!

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