Markus steht allein im leeren Besprechungsraum, die Stühle sind noch nicht zusammengeräumt, auf dem Whiteboard steht in verblasster Schrift noch der Name des Projekts, für das sein Team vor zwölf Jahren gegründet wurde. Vor einer Stunde hat die Geschäftsführung im Zuge der Fusion die Auflösung seiner Abteilung verkündet. Die Aufgaben werden auf drei andere Bereiche verteilt, sein Team gibt es ab Januar nicht mehr. In den nächsten Tagen wird Markus wütend auf Entscheidungen reagieren, die er früher gelassen hingenommen hätte. Er wird sich nachts fragen, was von seiner beruflichen Identität bleibt, wenn das Team weg ist. Und irgendwann, meist erst Wochen später, wird die eigentliche Traurigkeit kommen, leise und ohne Ankündigung.
Was Markus durchlebt, wird im Berufsalltag oft mit einem einzigen Wort belegt, obwohl es viel mehr ist. Traurigkeit ist eines von mehreren Grundgefühlen, neben Wut, Angst und Freude. Trauer dagegen ist kein einzelnes Gefühl, sondern ein Prozess, der meist durch ungewollte Veränderungen ausgelöst wird, ein Todesfall, aber ebenso eine Kündigung, eine Trennung, ein Umzug oder das Ende eines Projekts, das über Jahre die eigene Rolle geprägt hat. Innerhalb dieses Prozesses tauchen nacheinander oder gleichzeitig mehrere Grundgefühle auf, und Traurigkeit ist dabei oft nicht der Anfang, sondern eine spätere Station.
Warum Trauer mehr ist als Traurigkeit
Wer Trauer mit Traurigkeit gleichsetzt, unterschätzt, wie viele unterschiedliche Reaktionen zu einem Verlust gehören. Am Anfang steht häufig eine Art Betäubung, ein Gefühl, als würde die Situation noch nicht wirklich zählen. Und die Hoffnung, dass es nicht passiert. Darauf folgt oft Wut, auf die Entscheidung, auf die Umstände, manchmal auf sich selbst. Angst mischt sich dazu, die Sorge um die eigene berufliche Zukunft, um Sicherheit, um den nächsten Schritt. Erst wenn diese Wellen etwas abgeklungen sind, macht sich häufig eine ruhigere, schwerere Traurigkeit breit, die eigentliche Verabschiedung von dem, was war. Am Ende eines gesunden Trauerprozesses steht meist wieder Klarheit, manchmal sogar Erleichterung. Diese Abfolge ist nicht linear und nicht bei jedem Menschen gleich, aber das Prinzip bleibt bestehen, Trauer ist die Summe dieser Bewegungen, nicht ein einzelner Gefühlszustand.
Wie sich der Trauerprozess im Berufsalltag zeigt
Im Job zeigt sich dieser Prozess oft nicht dort, wo man ihn erwarten würde. Ein Team, das im Rahmen einer Umstrukturierung aufgelöst wird, durchläuft kollektiv ähnliche Phasen wie ein einzelner Mensch nach einem persönlichen Verlust, erst Unglauben, dann Reibung und Konflikte im Team, dann eine Phase, in der die Produktivität sinkt, ohne dass jemand genau benennen kann, warum. Wird diese Phase als reine Unwilligkeit oder mangelnde Motivation gedeutet, verpasst eine Organisation die eigentliche Ursache. Auch Führungskräfte selbst sind von diesen Prozessen betroffen, wenn sie eine langjährige Position abgeben, ein Projekt beenden müssen, das ihnen wichtig war, oder eine Mitarbeiterin verlieren, mit der sie über Jahre eng zusammengearbeitet haben.
Was Führungskräfte tun können, wenn ein Team einen Verlust durchlebt
Der erste Schritt ist, die Reihenfolge der Gefühle nicht zu bewerten. Wut ist in der frühen Phase eines Trauerprozesses ein normales Signal, kein Zeichen von Illoyalität. Wer als Führungskraft in dieser Phase sofort auf Beschwichtigung setzt, verhindert, dass die Energie einen konstruktiven Ausdruck findet. Sinnvoller ist es, Räume zu schaffen, in denen Ärger, Sorge und später auch Traurigkeit offen benannt werden dürfen, etwa in einem moderierten Rückblick auf das, was mit der Veränderung endet, bevor der Blick nach vorne gerichtet wird. Wichtig ist außerdem Geduld mit dem Tempo. Ein Trauerprozess im Team dauert selten so lange, wie die Ankündigung selbst befürchten lässt, aber meist länger, als der Projektplan vorsieht.
Wer als Führungskraft merkt, dass die eigene Ungeduld wächst, sollte das als Signal verstehen, nicht als Führungsschwäche. Auch Führungskräfte stecken in solchen Phasen mitten im eigenen Prozess, selbst wenn ihre Rolle verlangt, gleichzeitig Orientierung zu geben.
Die eigene Erfahrung als Grundlage für Klarheit
Als Diplom-Betriebswirtin kennt Patrizia Patz den Druck, unter dem Restrukturierungen in Unternehmen entschieden und umgesetzt werden, enge Zeitpläne, klare Kennzahlen, wenig Raum für Zwischentöne. Und als Emotional Empowerment Expertin weiß sie zugleich, dass ein Trauerprozess sich diesem Zeitplan nicht unterordnet, sondern seine eigene Reihenfolge hat. Genau aus dieser doppelten Perspektive entsteht die Arbeit mit Emotional Empowerment, ein Rahmen, der die einzelnen Grundgefühle innerhalb eines Trauerprozesses benennt und ihnen einen konstruktiven Ausdruck gibt, statt sie zu unterdrücken oder zu beschleunigen. Für Markus bedeutet das konkret, die Wut über die Entscheidung zunächst ernst zu nehmen, statt sie zu verdrängen, bevor die eigentliche Traurigkeit über das Ende von zwölf gemeinsamen Jahren überhaupt Raum bekommt. Wer diesen Prozess versteht, kann ihn begleiten, bei sich selbst und im Team, statt ihn zu bekämpfen.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Trauer und Traurigkeit?
Traurigkeit ist eines der Grundgefühle, neben Wut, Angst und Freude. Trauer ist dagegen ein Prozess, der oft durch eine ungewollte Veränderung ausgelöst wird und mehrere Grundgefühle nacheinander oder gleichzeitig beinhalten kann, darunter auch Wut und Angst.
Welche Veränderungen können einen Trauerprozess auslösen?
Ein Trauerprozess kann durch jede ungewollte Veränderung entstehen, etwa eine Kündigung, eine Umstrukturierung, das Ende eines wichtigen Projekts, eine Trennung oder einen beruflichen Rollenwechsel.
Warum reagieren Menschen in einem Trauerprozess manchmal zuerst mit Angst oder Wut statt mit Traurigkeit?
Wut oder Angst entsteht häufig als erste Reaktion auf eine als ungerecht empfundene Entscheidung oder Situation. Sie ist ein normaler Teil des Prozesses und geht der eigentlichen Traurigkeit oft voraus.
Wie erkennen Führungskräfte, dass ihr Team einen Trauerprozess durchlebt?
Typische Anzeichen sind sinkende Produktivität ohne erkennbaren Grund, mehr Reibung im Team und eine auffällige emotionale Distanz zur Arbeit. Diese Signale werden oft fälschlich als mangelnde Motivation gedeutet.
Wie unterstützt die Emotional Empowerment Methode einen gesunden Trauerprozess im Berufsleben?
Die Methode ordnet die einzelnen Grundgefühle innerhalb des Prozesses ein und gibt ihnen einen konstruktiven Ausdruck, statt sie zu unterdrücken. So wird aus einer belastenden Phase eher früher als später wieder Handlungsfähigkeit.
Sabine sitzt seit sieben Minuten im Auto auf dem Firmenparkplatz. Der Termin mit dem Großkunden beginnt in vier Minuten. Ihre Hände sind feucht, das Herz schlägt schneller. In ihrem Kopf läuft Angst mit, während drei Versionen des Gesprächs ablaufen, in denen etwas schiefgeht. Sie kennt das Thema fachlich auswendig. Sie hat die Zahlen im Griff. Trotzdem bringt sie den Griff zur Autotür nicht zustande. Von außen wirkt es wie Nervosität vor einem wichtigen Termin. Tatsächlich zeigt der Körper deutlich, dass Sabine etwas bedeutsam ist.
Genau darin liegt die Kernthese, die in der täglichen Arbeit mit Klientinnen und Klienten immer wieder bestätigt wird. Angst ist kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Kompetenz, sondern ein körperliches Signal dafür, dass etwas Wichtiges auf dem Spiel steht. Wer dieses Signal ernst nimmt, statt es mit reiner Willenskraft zu überdecken, gewinnt Handlungsfähigkeit zurück. Wer es ignoriert, verliert sie meistens weiter.
Was im Körper tatsächlich passiert
Angst ist zunächst eine biologische Reaktion, kein Charakterfehler. Das Nervensystem schaltet in einen erhöhten Alarmzustand, der Blutdruck steigt, die Atmung wird flacher, die Muskulatur spannt sich an. Dieser Mechanismus ist evolutionär sinnvoll, wenn eine reale Gefahr droht. Vor einem Kundengespräch oder einer schwierigen Personalentscheidung ist die Gefahr aber selten lebensbedrohlich, auch wenn sich der Körper genauso verhält. Das Problem entsteht dann, wenn dieser Zustand über Stunden oder Tage anhält, weil die Situation gedanklich immer wieder durchgespielt wird. Der Körper reagiert dann nicht mehr auf den tatsächlichen Termin, sondern auf die eigene Vorstellung davon, und diese Vorstellung ist meist deutlich düsterer als die Realität.
Warum reines Verdrängen die Angst verstärkt
Ein weit verbreiteter, aber wenig hilfreicher Reflex ist es, die Angst wegzuschieben. Tief durchatmen, sich zusammenreißen, einfach machen. Kurzfristig funktioniert das manchmal, langfristig führt es fast immer dazu, dass die Anspannung zurückkehrt, oft stärker als zuvor. Das liegt daran, dass unterdrückte Gefühle nicht verschwinden, sondern sich verlagern, etwa in Schlafproblemen, ständiger Anspannung oder einer diffusen Reizbarkeit, die mit dem eigentlichen Auslöser gar nicht mehr in Verbindung gebracht wird. Wer Angst dauerhaft ignoriert, trainiert dem eigenen Nervensystem im Grunde bei, beim nächsten Mal noch frühzeitiger und noch heftiger Alarm zu schlagen.
Der Blick auf Zahlen und Nervensystem zugleich
An dieser Stelle zeigt sich, warum es hilft, im Berufsalltag auch die emotionale Perspektive zu betrachten. Als Diplom-Betriebswirtin kennt Patrizia Patz die harten Fakten hinter vielen Angstsituationen im Berufsleben, etwa den tatsächlichen Umsatzdruck, die reale Tragweite einer Fehlentscheidung oder die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen eines schwierigen Personalgesprächs. Als Heilpraktikerin versteht sie zugleich, was in diesem Moment im Nervensystem passiert und welche körperlichen Ansatzpunkte helfen, die Anspannung zu regulieren, bevor sie das Denken blockiert. Diese doppelte Perspektive verhindert zwei typische Fehler. Der eine besteht darin, die Angst rein rational weg argumentieren zu wollen, obwohl der Körper längst in Alarmbereitschaft ist. Der andere besteht darin, sie ausschließlich als psychologisches Phänomen zu behandeln, obwohl im Hintergrund reale unternehmerische Risiken stehen, die ernst genommen werden müssen.
Der erste konkrete Schritt mit Emotional Empowerment
Die Methode Emotional Empowerment setzt genau an diesem Punkt an. Der erste Schritt ist nicht, die Angst zu beseitigen, sondern sie zunächst körperlich wahrzunehmen und zu benennen. „Okay – ich fühle Angst“ oder „Ich bin nervös“ . Erst wenn dieses Signal erkannt ist, lässt sich die zweite Frage stellen, die den Unterschied macht. Was genau steht in dieser konkreten Situation tatsächlich auf dem Spiel? Ist die gedankliche Katastrophe, die gerade durchgespielt wird, realistisch oder lediglich ein Worst Case, der so voraussichtlich nie eintreten wird? Dieser zweischrittige Prozess, erst körperlich wahrnehmen, dann sachlich einordnen, dauert oft nur wenige Minuten, verändert aber, wie handlungsfähig jemand in den nächsten Minuten ist. Sabine steigt am Ende meist doch aus dem Auto aus, aber mit einem anderen Körpergefühl als sieben Minuten zuvor. Und besitzt die Kraft, die in der Angst steckt: Präsenz, Wachheit, Zugang zur Intuition und Kreativität. Alles sehr hilfreiche Ressourcen in einer wichtigen Verhandlung.
Die Kraft des bewussten Fühlens
Du willst mehr darüber erfahren, welche Kraft auch Gefühle wie Angst, Wut oder Traurigkeit für dich bereit halten? Dann könnte der Emotional Empowerment Onlinekurs ein nächster Schritt für dich sein.
Ist Angst vor wichtigen beruflichen Entscheidungen normal?
Ja. Angst tritt fast immer dann auf, wenn eine Situation subjektiv bedeutsam ist und der Ausgang nicht vollständig kontrollierbar erscheint. Das betrifft Führungskräfte ebenso wie Berufseinsteiger.
Worin unterscheidet sich Angst von Panik?
Angst ist meist an eine konkrete, absehbare Situation gebunden und baut sich in der Regel über Minuten oder Stunden auf. Panik tritt plötzlicher und oft ohne erkennbaren unmittelbaren Auslöser auf und sollte, wenn sie wiederholt vorkommt, medizinisch abgeklärt werden.
Kann Angst die Leistung in bestimmten Situationen sogar verbessern?
In moderater Ausprägung ja, da der Körper zusätzliche Energie und Konzentration bereitstellt. Bewusst gefühlt und genutzt, macht sie uns aufmerksam und kreativ. Wird die Anspannung zu stark oder hält sie zu lange an, kippt der Effekt jedoch ins Gegenteil und blockiert klares Denken.
Wie unterstützt die Emotional Empowerment Methode konkret bei Angst?
Sie verbindet die körperliche Wahrnehmung der Anspannung mit einer sachlichen Einordnung der tatsächlichen beruflichen Situation, sodass Betroffene handlungsfähig bleiben, statt in Vermeidung oder Überforderung zu verfallen.
Führung: Emotionale Belastung bei Projektverzögerungen
Ein Vorstand hält seine Frustration über wochenlange Verzögerungen im Projekt zurück. In seiner Rolle der Führung will er professionell wirken, sachlich bleiben und keine Angriffsfläche bieten. Nach außen wirkt er ruhig, doch innerlich steigt der Druck, der langsam immer größer wird.
Dieser innere Konflikt bleibt nicht verborgen: Er kann zu Erschöpfung führen, zu Rückzug oder zu einem unerwarteten Ausbruch bei einem völlig anderen Anlass. So zeigt sich, wie auf Distanz und Kontrolle gesetzt wird, auch wenn die Situation noch nicht gelöst ist.
Dieses Muster begegnet mir in Coachings mit Führungskräften immer wieder. Und das ist auch der Grund, warum ich mit Emotional Empowerment einen anderen Weg gehe.Er unterscheidet sich von der klassischen Ratgeberliteratur zum Thema Stressmanagement.
Wut ist keine Störung, sondern Handlungskraft
In vielen Unternehmen gilt eine Grundannahme: Wer Emotionen zeigt und emotional reagiert, verliert an Souveränität.
Zudem wird reguliert, kontrolliert, weggeatmet. Allerdings verschwindet Wut dadurch nicht. Sie wird nur verschoben, meist in Richtung Körper (Verspannungen, Schlafstörungen) oder in Richtung Beziehung (Sarkasmus, Rückzug, plötzliche Härte in der Kommunikation).
Aus meiner Sicht als Wirtschaftsfachfrau und Heilpraktikerin sehe ich beide Seiten dieses Problems. Allerdings will die betriebswirtschaftliche Logik Effizienz und Kontrolle, während die körperlich-emotionale Realität sich diesen Regeln entzieht. An dieser Schnittstelle setzt Emotional Empowerment an.
Wut ist im Kern Handlungskraft.
Sie signalisiert, dass eine Grenze überschritten wurde oder dass etwas für mich nicht okay ist. Zudem ist Veränderung nötig, damit klare Entscheidungen möglich sind. Wird dieses Signal ignoriert, geht der Zugang zur Energie, die in der Wut steckt, verloren. Diese Energie ist nötig für klare Entscheidungen und mutige Führung.
Was passiert, wenn Führungskräfte Wut dauerhaft unterdrücken
Die Folgen zeigen sich selten sofort. Darüber hinaus beobachte ich in der Praxis typische Muster:
Entscheidungsschwäche. Wer die eigene Wut nicht mehr spürt, verliert auch den Zugang zu klaren Prioritäten. Konflikte werden ausgesessen statt geklärt. Entscheidungen werden hinausgezögert.
Erschöpfung ohne erkennbaren Auslöser. Die Energie, die für die Unterdrückung aufgewendet wird, fehlt an anderer Stelle. Burnout entsteht häufig nicht durch zu viel Arbeit, sondern durch zu viel emotionale Selbstkontrolle.
Plötzliche, unverhältnismäßige Reaktionen. Ein kleiner Anlass löst eine überproportionale Reaktion aus, weil sich über Monate ungeklärte Spannung aufgebaut hat.
Sinkende Glaubwürdigkeit im Team. Mitarbeitende spüren emotionale Inkongruenz, auch wenn sie sie nicht benennen können. Das untergräbt Vertrauen stärker als ein offen ausgetragener Konflikt.
Die Zündschnur verlängern statt die Emotion abschalten
Emotionale Empowerment setzt nicht bei der Unterdrückung an, sondern bei der bewussten Verarbeitung. Ein zentrales Bild aus meiner Arbeit mit Führung dient dabei als Orientierung: Die Zündschnur wird verlängert: die Wut früher bemerken, bevor sie zu intensiv wird.
Wer lernt, den eigenen Ärger frühzeitig wahrzunehmen, bevor er explodiert, gewinnt Handlungsspielraum zurück. Außerdem stärkt dieser Prozess die Fähigkeit, frühzeitig zu handeln und nicht impulsiv zu reagieren.
Statt einer automatischen Reaktion entsteht eine bewusste Entscheidung: Wo genau wurde eine Grenze überschritten? Welche konkrete Handlung folgt daraus? Diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn die Emotion als Information genutzt wird, statt sie zu bekämpfen.
Für Unternehmen bedeutet das: emotionale Kompetenz ist kein Soft Skill am Rand, sondern ein wirtschaftlicher Faktor. Teams mit Führungskräften, die ihre eigenen Emotionen regulieren und bewusst nutzen können, statt sie zu verdrängen, zeigen nachweislich höhere Resilienz in Belastungsphasen.
Ein erster Schritt für den Führungsalltag
Ein einfacher Einstieg, den ich Klientinnen und Klienten häufig mitgebe: Bei der nächsten spürbaren Ärgerreaktion reagiere ich nicht sofort.
Halte kurz inne und stelle drei Fragen.
Was genau hat diese Reaktion ausgelöst?
Welche Grenze oder welcher Wert wurde berührt?
Welche Handlung würde dem gerecht, statt nur Dampf abzulassen oder alles herunterzuschlucken.
Diese drei Fragen verwandeln einen automatischen Impuls in eine bewusste Entscheidung. Darüber hinaus zeigen sie, wie Führung in Handlungen übersetzt wird. Emotionale Energie als Ressource nutzen, statt sie verdrängen.
Häufige Fragen zu Wut und Führung
Ist es nicht professioneller, Wut am Arbeitsplatz gar nicht erst zu zeigen?
Wut nicht zu zeigen und Wut nicht zu spüren sind zwei verschiedene Dinge. Außerdem bedeutet Professionalität nicht, die Emotion abzuschalten, sondern sie bewusst zu verarbeiten und daraus eine klare, angemessene Handlung abzuleiten. Ich muss nicht mehr explodieren oder Groll hegen, sondern kann klar kommunizieren, was für mich nicht okay ist.
Wie unterscheidet sich Emotional Empowerment von klassischem Stressmanagement?
Klassisches Stressmanagement zielt gerade häufig auf Beruhigung und Distanzierung von der Emotion ab.
Emotional Empowerment setzt genau umgekehrt an. Die Emotion wird als Informationsquelle genutzt. Zusätzlich wird ihre Energie gezielt in Handlung übersetzt. Ich lerne meine Gefühle zu besitzen und zu nutzen. Das Gefühl besitzt mich nicht mehr.
Für wen eignet sich dieser Ansatz besonders?
Besonders geeignet ist er für Führungskräfte, die gewohnt sind, Probleme rational zu lösen. Darüber hinaus spüren sie, dass rein rationale Strategien bei wiederkehrender Erschöpfung oder Konflikten an ihre Grenzen stoßen.
Was unterscheidet Patrizia Patz von anderen Coaches in diesem Feld?
Mit ihrer langjährigen Erfahrung, einem Werkzeugkoffer voll neuer Softskills und ihrem ungewöhnlichen Hintergrund als Diplom-Betriebswirtin und Heilpraktikerin hat sie sich in ihrer Arbeit auf die Verbindung von Emotion und Ratio spezialisiert, sodass ihre Klienten – i.d.R. Führungskräfte – neben wirksamen Lösungen auch die Kraft ihrer Gefühle zurückgewinnen.
Warum ‚Gewaltfreie Kommunikation‘ und Co. oft nur Pflaster auf unserer Gefühls-Taubheit sind
Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (GfK) ist an sich ein wunderbares und nützliches Kommunikationsmodell, welches uns theoretisch ermöglicht, beziehungsfördernd mit unseren Mitmenschen umzugehen. Ähnliches gilt für die Kommunikationstechniken der Transaktionsanalyse nach Eric Berne oder auch das 4-Ohren-Modell von Friedemann Schulz-von Thun, um nur einige der derzeit gängigen Kommunikations-Werkzeuge zu nennen.
Alle diese Tools haben aber einen entscheidenden Nachteil. Um wirklich zu funktionieren, erfordert die Anwendung dieser Werkzeuge ein hohes Maß an Bewusstsein in Bezug auf sich selbst und auf das, was gerade passiert, sowie die Fähigkeit, zu fühlen und Gefühle auszudrücken. Und genau da liegt der Hund begraben.
Wir lernen nichts über den gesunden Umgang mit Gefühlen
Während wir uns darüber einig sind, dass alle Menschen Gefühle haben, ist es um die Fähigkeit, zu fühlen und Gefühle auszudrücken in unserer modernen, technisierten Gesellschaft hingegen schlecht bestellt. Anstatt Fühlen zu lernen, lernen wir von Beginn unseres Lebens an, das Fühlen zu verlernen und Gefühle zu unterdrücken. Von allen Seiten bekommen wir schon während unserer Kindheit das Signal, dass Gefühle nicht in Ordnung und schon gar nicht professionell sind, sondern nur etwas für weinerliche kleine Mädchen.
Verdrängte Gefühle machen krank
Wir leben in einer Welt, in der Gefühle als Krankheit gesehen werden, die psychologischer Behandlung bedarf. Was auch nicht verwunderlich ist, da wir gelernt haben, unsere Gefühle so stark zu unterdrücken, dass sie erst zum Vorschein kommen, wenn sie so groß geworden sind, dass das Sicherheitsventil auf unserem Gefühls-Safe dem steigenden Druck nicht mehr standhalten kann und abspringt. Dieser Zustand hat unterschiedliche Gesichter: psychischer Zusammenbruch, Burnout, Angstattacken, Wutanfälle, Depression, etc. Und schon wieder bestätigt sich unsere gelernte Überzeugung, dass Gefühle nicht in Ordnung – ja sogar lebensgefährlich – sind. Hat Gott da irgendeinen Fehler gemacht, dass er dem Menschen Gefühle mitgegeben hat? Bewusst oder unbewusst halten wir Gefühle für einen göttlichen Konstruktionsfehler, den wir mit unterschiedlichsten Strategien zu korrigieren versuchen. Um nichts zu fühlen, sehen wir fern, betäuben uns mit Alkohol, übermäßigem Essen oder Nikotin, versuchen uns mit jeder Menge Entertainment oder Arbeit abzulenken – schlimmstenfalls hilft vielleicht eine ausgedehnte Shopping Tour.
Wir sind uns noch nicht mal darüber bewusst, was Gefühle eigentlich sind
Aber zurück zu den Kommunikationsmodellen. In Schritt 2 der gewaltfreien Kommunikation beispielsweise geht es darum, auszudrücken, was man in Bezug auf die Situation fühlt. Wenn wir aber nicht in der Lage sind zu fühlen, was genau werden wir dann zum Ausdruck bringen? Wenn ich meine Klienten im Coaching frage, was sie fühlen, bekomme ich zahlreiche bunte Antworten. Nur die wenigsten Antworten haben wirklich etwas mit Gefühlen zu tun. Gut, schlecht, so lala, verwirrt, verletzt, angeschlagen, super, ohnmächtig, frustriert, genervt, ok, verschnupft … bis zu „Ich hab Rückenschmerzen“. Was davon ist ein Gefühl? Ist ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ ein Gefühl? Ist ‚verwirrt‘ ein Gefühl? Sind ‚Rückenschmerzen‘ ein Gefühl? Erst wenn sie die erste Unterscheidung in Bezug auf Gefühle haben, z.B. dass es lediglich vier Grundgefühle gibt, nämlich Wut, Traurigkeit, Angst und Freude, beginnen meine Klienten mit dieser neuen Klarheit innerlich zu navigieren und erste Schritt in ihre Gefühlswelt zu machen.
Es bringt nichts, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun!
In uns gibt es eine tiefe Sehnsucht, mit unseren Mitmenschen authentisch und beziehungsfördernd zu kommunizieren und in echter, nährender Verbindung zu sein. Wir sehnen uns nach Gemeinschaft, Nähe und Liebe. Deshalb arbeiten Menschen auch hart an sich, um z.B. ihre Kommunikation zu verändern und lernen Kommunikations-Werkzeuge. Ohne zu merken, dass sie damit versuchen, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun. Denn der erste Schritt ist unbequem! Gefühlsarbeit besteht aus zwei Phasen. Bevor wir lernen können, unsere Gefühle authentisch und verantwortlich auszudrücken, müssen wir zunächst wieder lernen, zu fühlen und unsere Gefühls-Taubheit Stück für Stück zu reduzieren. Ansonsten sind alle Versuche, mit Kommunikations-Methoden andere Ergebnisse im Umgang mit unseren Mitmenschen zu erreichen, lediglich Pflaster, die wir über unsere Gefühlswunden kleben.
Sie bringen keine Heilung und langfristig auch keine neuen Resultate. Wer gewaltfreie Kommunikation lernt, um seine Wut in den Griff zu kriegen oder weil der Ausdruck von Wut für ihn nicht in Ordnung ist, ist leider auf dem Holzweg. Denn die Wut wird dadurch nicht weggehen, sie wird im Gegenteil nur umso mehr in die Unbewusstheit gedrängt – bis irgendwann wieder das Ventil versagt. Um gewaltfrei kommunizieren zu können, ist es zunächst notwendig, zu lernen, die eigene Wut überhaupt erst einmal wahrzunehmen, mit dem eigenen inneren Krieger in Kontakt zu kommen und unsere erlernte Haltung in Bezug auf die Wut zu verändern. Das gleiche gilt natürlich auch für die anderen Gefühle.
Emotional Empowerment schafft neue Resultate in Beziehungen … und ist Spaß auf hohem Niveau!
Warum sind gewaltfreie Kommunikation und andere Kommunikationstechniken nur Pflaster auf unsere Gefühls-Taubheit?
Diese Werkzeuge greifen nur oberflächlich und erfordern ein hohes Maß an Bewusstsein und emotionaler Fähigkeit, die wir in unserer Gesellschaft oft verlernt haben. Sie sind daher nur begrenzt wirksam, solange wir nicht lernen, unsere Gefühle wirklich zu fühlen und auszudrücken.
Was hindert uns daran, unsere Gefühle zu erkennen und auszudrücken?
Wir haben in unserer Gesellschaft gelernt, Gefühle zu unterdrücken und zu verbergen, weil sie oft als unangemessen oder schwach angesehen werden. Dies führt dazu, dass wir unsere eigenen Gefühle kaum wahrnehmen können und Schwierigkeiten haben, sie angemessen zu artikulieren.
Warum ist Verdrängung von Gefühlen gefährlich für die Gesundheit?
Wenn Gefühle unterdrückt werden, bauen sie sich auf und können psychische Probleme wie Burnout, Depressionen oder Angstattacken verursachen, weil sie sich nicht auf gesunde Weise entladen können und stattdessen im Inneren blockiert bleiben.
Was ist notwendig, um wirklich effektiv kommunizieren zu lernen?
Es ist wichtig, zuerst zu lernen, die eigenen Gefühle authentisch zu fühlen und wahrzunehmen, bevor man versucht, diese in der Kommunikation auszudrücken. Ohne diese emotionale Klarheit sind Methoden wie gewaltfreie Kommunikation nur oberflächliche Werkzeuge.
Wie kann Emotional Empowerment zu besseren Beziehungen führen?
Indem wir lernen, unsere Gefühle wirklich zu fühlen und verantwortungsvoll auszudrücken, schaffen wir tiefere Verbindungen, authentische Nähe und mehr gegenseitiges Verständnis, was unsere Beziehungen nachhaltig verbessert.
Wenn du deine Berufung lebst, finden Arbeit und Leben nicht mehr getrennt voneinander statt
Stell dir vor, du gehst nachts durch eine unbeleuchtete Straße in einer Stadt. Plötzlich schält sich ein bewaffneter Mann aus einer dunklen Ecke und versperrt dir den Weg. Er bedroht dich: „Geld oder Leben!“ Was würdest du wählen? Würdest du auf dein Leben verzichten, um dein Geld behalten zu können? Ich wage zu behaupten, dass du das Leben wählen würdest, denn alles andere würde absolut keinen Sinn machen.
Es stellt sich jedoch die Frage: Warum tust du dann in Bezug auf deine Arbeit genau das Gegenteil? Du verzichtest auf dein Leben, um Geld zu bekommen.
Mir ist bewusst, dass dies eine ungeprüfte Annahme ist, die vielleicht auf dich gar nicht zutrifft. Und dennoch trifft sie wohl für einen Großteil der Bevölkerung zu. Eine Antwort auf die Frage könnte sein, dass es uns in der Regel nicht bewusst ist, dass wir für Geld bzw. Sicherheit unser Leben opfern. Einfach weil es zum Kontext gehört, in dem wir leben. Es ist Normalität. Wir haben diese Entweder-Oder-Geschichte so verinnerlicht, dass wir sie für wahr halten.
In dieser Geschichte sind Arbeit und Leben voneinander getrennt. Wahrscheinlich kennst du den Spruch „Arbeitest du, um zu leben oder lebst du, um zu arbeiten?“ Dabei wird in unserer Kultur ganz klar Zweiteres als negativ angesehen. Und wir merken gar nicht, dass wir, wenn wir Ersteres anstreben, automatisch drei Grundannahmen treffen, die unser Leben enorm limitieren:
Grundannahme # 1. Arbeit und Leben sind voneinander getrennt und unvereinbar.
Wenn du arbeitest, um zu leben, werden Arbeit und Leben voneinander getrennt und zu unvereinbaren Gegensätzen deklariert. Leben kann dann nur außerhalb der Arbeit stattfinden – was schwierig ist, denn in der Regel verbringen wir die meiste Zeit mit bzw. in der Arbeit. Echtes Leben wird dann auf die Freizeit, den Urlaub und auf die Rentenzeit verschoben. Das Dumme ist nur, dass wir in der Freizeit meist viel zu müde sind, um in vollen Zügen zu leben. Und wenn wir in Rente gehen, ist ein Großteil unserer Lebenszeit unwiederbringlich vorbei.
Grundannahme # 2. Arbeit ist reines „Mittel zum Zweck“
Wenn du arbeitest, um zu leben, wird Arbeit zum reinen „Mittel zum Zweck“ degradiert. Da geht es nicht mehr um Freude, Inspiration oder Bestimmung, sondern rein darum, dass die Arbeit das Leben finanziert. Und je besser sie das tut, d.h. je besser sie bezahlt wird, umso höherwertig wird die Arbeit angesehen. Als Mittel zum Zweck wird Arbeit dann schnell auch zur lästigen Pflicht – zu einem Muss. Das Wort Arbeit hatte ja auch die ursprüngliche Bedeutung „Mühsal, Plage“. Die Montag-Morgen-Depression und die Freitag-Nachmittag-Euphorie sind typische gesellschaftliche Ausprägungen dieser Geschichte. Hör einfach mal Freitag nachmittags Radio und du wirst dieses Phänomen in unterschiedlichsten Varianten aufgetischt bekommen: „Haltet durch, liebe Hörer! Bald ist Feierabend und wir haben es geschafft!“
Grundannahme # 3. „Geld verdienen“ ist Lebens-Voraussetzung
Wenn du arbeitest, um zu leben, deklarierst du das Geldverdienen zu einer Grundvoraussetzung. Daraus folgt: ohne Geld kein Leben! Solange du diese Geschichte für wahr hältst und in dir trägst, wird dein Leben von dem Wunsch nach Sicherheit durch Geld dominiert. Geldverdienen wird zur höchsten Priorität – denn schließlich wollen wir ja leben. Dies ist allerding keine Lebens-Strategie sondern eine Überlebens-Strategie. Unbewusst wird damit Leben mit Überleben gleichgesetzt.
Wenn du diesen drei Grundannahmen auf den Leim gegangen bist, sitzt du in Bezug auf deine Berufung in der Falle. Du wirst deine Berufung weder finden noch leben können. Denn dazu ist eine andere Geschichte mit anderen Grundannahmen notwendig, die es dir ermöglicht deine Ausrichtung weg von der Sicherheitsorientierung hin zur Bestimmungsorientierung zu verlagern! Deine Priorität weg vom Überleben hin zum Leben.
Diese neue Geschichte bzw. Perspektive betrachtet Arbeit nicht mehr sicherheitsorientiert, sondern bestimmungsorientiert. Dadurch bekommt „Arbeit“ eine andere Bedeutung.
Mit dieser bestimmungsorientierten Betrachtungsweise von Arbeit, würden wir dann nicht mehr arbeiten, um zu leben, sondern wir wären einfach unsere Bestimmung in Aktion.
Aber warum machen wir eigentlich immer eine Entweder-Oder-Geschichte daraus – eine Geld-oder-Leben-Geschichte? Es gibt genügend Beispiele von Menschen, die ihrer Bestimmung folgen und ihre Berufung leben und dabei ganz automatisch genug Geld verdienen. Menschen, die die Trennung von Arbeit und Leben aufgelöst haben und sich und ihr Leben dem widmen, was sie wirklich inspiriert. Nicole Rupp, ihres Zeichens Geldcoach sagt: „Geld ist das was folgt, wenn du deiner Berufung folgst.“ Warum glauben wir lieber unserer anerzogenen, von der Gesellschaft genährten Entweder-Oder-Geschichte, anstatt uns diese Beispiele als Beweise zu nutzen, dass etwas anderes möglich ist? Nämlich, dass wir unserer Bestimmung folgen und genug Geld verdienen können?
Meine Vermutung: Wir benutzen diese alte Geschichte, um keine Verantwortung dafür übernehmen zu müssen, dass wir unsere Berufung nicht leben. Wir lieben unser „Es geht nicht, weil …“, denn das ist super bequem. Wir müssen nichts verändern und können trotzdem kräftig über unsere Situation und Arbeit jammern. Denn wenn wir der neuen Geschichte Glauben schenken, haben wir keine Ausrede und kein Hintertürchen mehr! Dann gibt es einfach keinen Grund mehr, um sich nicht auf den Weg zu machen, die eigene Berufung zu entdecken und zu leben –und das könnte herausfordernd werden.
Die Frage ist also nicht: Geld oder Leben? Die Frage ist: „Willst du leben und deiner Bestimmung folgen oder dich vermeintlich sicher fühlen?“
Herzlichst,
Eure Patrizia
Patrizia PatzTrainerin, Coach, Speakerin, Autorin
Patrizia Patz ist Expertin für emotional Empowerment. Als Trainerin und Coach vermittelt sie emotionale Kompetenz und gesunden Umgang mit Gefühlen. Sie schrieb „Edgeworker. Leadership war gestern! Es ist Zeit für die Führungs(R)Evolution!“, „GEFÜHLE – Emotional gesund in einer rationalen Welt“ und „Ich mach mein Ding – wie du Beruf und Berufung vereinst.“
Possibility Management (PM) – die Spielwelt, in der ich seit fast 20 Jahren zuhause bin – basiert auf dem Kontext von radikaler Verantwortung. Eine der wichtigsten Unterscheidungen, die wir im PM diesbezüglich nutzen, ist die Landkarte von Kultur und Verantwortung.
In dieser Landkarte werden verschiedene Ebenen von Verantwortung sichtbar gemacht – von unverantwortlich über den kindlichen zum erwachsenen und hohen Grad von Verantwortung, bis hin zur radikalen Verantwortung. Wenn wir eine Gauß’sche Normalverteilung in Bezug auf die Anzahl der Menschen in unserer aktuellen, modernen, westlichen Kultur darüberlegen würden, käme es zu dem in der Landkarte gezeigten Bild.
Unsere aktuelle moderne Kultur basiert immer noch größtenteils auf einem kindlichen bis jugendlichen Grad von Verantwortung. Unsere Gesellschaftssysteme sind auf ein Spiel zwischen Eltern-Rollenspielern und Kind-Rollenspielern ausgerichtet. In der Kind-Rolle geben wir unsere Autorität und Verantwortung an „Vater Staat“ ab und hoffen, dass er gut für uns sorgt. Oder wir ordnen uns als Angestellter der Autorität von Vorgesetzten unter und profitieren von monatlichen Gehaltszahlungen und der Arbeitslosen- und Rentenversicherung, um uns sicher zu fühlen. Diese Kultur ist nicht nachhaltig. Und es entstehen gleichzeitig parallele Kulturen, weil immer mehr Menschen bereit sind, einen höheren Grad von Verantwortung zu übernehmen.
Radikale Verantwortung bedeutet in diesem Zusammenhang, unausweichlich für das Maß an Verantwortung verantwortlich zu sein, das in jeder Spielwelt und jedem Raum übernommen wird. Ich bin die Quelle.
Es ist ein hehres Ziel, in absoluter radikaler Verantwortung leben zu wollen. Und es gleicht ein wenig dem Anspruch auf Perfektion. Ist Perfektion wirklich erreichbar bzw. erstrebenswert? Und hier kommen wir dann zum Kern des Pudels. Perfektion als Ziel ist so lange nützlich, solange wir sie nicht erreichen. So hält sie uns lebendig und im Wandel und sorgt für Qualität und Integrität. Denn was würde passieren, wenn wir Perfektion erreichen? Dann wären wir fertig – 100 % – perfekt – dann gäbe es nichts mehr zu entdecken, zu lernen, zu entwickeln, etc. Lebendigkeit adé. Mit radikaler Verantwortung ist das ähnlich.
Radikale Verantwortung bewusst als Grundsatz für das eigene Handeln zu wählen, ist der Schlüssel, um aus der Rolle des Opfers in die Rolle des Schöpfers zu wechseln. Ich erschaffe selbst die Welt, die ich mir wünsche. Ich warte nicht darauf, dass andere es tun. Ich tue mich zusammen mit Gleichgesinnten und erschaffe eine parallele Kultur. So kann kultureller Wandel hin zu mehr Verantwortung und damit mehr Nachhaltigkeit entstehen.
Und wie immer gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Denn genau wie der Anspruch auf Perfektion die Gefahr beinhaltet, unbewusst in Perfektionismus (ein Schattenprinzip) zu verfallen, gibt es auch eine dunkle Seite von radikaler Verantwortung. Du kannst dir vorstellen, dass die Skala im oben gezeigten Bild nicht zweidimensional, sondern dreidimensional ist und die radikale Verantwortung direkt wieder in die Ebene ganz zu Beginn der Skala, nämlich in „Unverantwortlichkeit“ übergeht. An diesem Punkt mündet radikale Verantwortung nämlich schnell in Radikalismus, Dogmatismus, Besserwisserei, bis hin zu Fanatismus.
Damit das nicht passiert, braucht es aber eine Menge an Bewusstheit und Wachheit, wenn ich in radikaler Verantwortung leben will. Und damit Bewusstheit wachsen kann, braucht es sogenannte „Matrix“. Mit Matrix bezeichnen wir im Possibility Management das innere Gerüst, an dem Bewusstheit wachsen kann – wie ein Spalier, das das Wachstum eines Rosenstrauches unterstützt, so dass er aufwärts in seine volle Blüte hineinwachsen kann. Der Aufbau von Matrix und damit das Wachstum von Bewusstheit und Wachheit geht aber nicht von heute auf morgen. Und: der Rosenstrauch braucht nicht nur das Spalier. Um in seine volle Pracht zu wachsen, braucht er fruchtbare Erde, Sonne, Wärme, Wasser und Pflege. Und ab und zu muss er auch mal gestutzt werden.
Der Vorsatz, möglichst schnell möglichst viel Matrix aufzubauen, um in radikaler Verantwortung zu leben, erinnert dabei an die Vorgehensweise der konventionellen Landwirtschaft: so wie viel Dünger und der Einsatz von Pestiziden vielleicht kurzfristig schnelles Wachstum fördern, ist aber auch diese Vorgehensweise nicht nachhaltig. Und sie ist unverantwortlich, denn sie führt über kurz oder lang zu Ausbeutung und zum Zusammenbruch des Ökosystems. Im Gegensatz dazu berücksichtigt organisches Wachstum Zyklen und individuelle Entwicklungs-Geschwindigkeiten.
Wenn du also auf deinem Entwicklungsweg hin zu einem höheren Grad an Verantwortung bis hin zu radikaler Verantwortung bist und möglichst schnell an dein Ziel kommen willst, sei dir darüber bewusst, dass der Grat zwischen radikal verantwortlich und unverantwortlich schmal ist. Wo bist du vielleicht schon dogmatisch unterwegs? Inwieweit hast du deine ursprüngliche Box vielleicht einfach gegen eine PM-Box getauscht, so dass du wieder keine Wahl hast? Welchen Regeln und Autoritäten im PM-Kontext folgst du vielleicht (blind)? Inwieweit hast du vielleicht deine eigene Lebendigkeit auf dem Altar von „radikaler Verantwortung“ geopfert?
Herzlich, Patrizia
Emotional Empowerment = Possibility Management mit Herz ❤
Kurz-Zusammenfassung:
Radikale Verantwortung braucht Bewusstheit: Radikale Verantwortung basiert auf dem Bewusstsein, für das eigene Handeln und dessen Konsequenzen vollständig verantwortlich zu sein, was eine wichtige Grundlage für persönliches Wachstum ist.
Verantwortungsebenen in unserer Kultur: In unserer modernen westlichen Gesellschaft dominieren noch immer kindliche und jugendliche Verantwortlichkeiten, während mehr Menschen bereit sind, höhere Verantwortungsgrade zu übernehmen, was zu kulturellem Wandel führt.
Radikale Verantwortung als bewusste Lebenshaltung: Radikale Verantwortung bedeutet, aktiv die Quelle für die eigene Welt zu sein und das Verantwortungsniveau bewusst zu wählen, was den Wechsel vom Opfer- zum Schöpfermodus ermöglicht.
Gefahren des Radikalismus und die Bedeutung der Bewusstheit: Radikale Verantwortung kann, ohne Bewusstheit, in Extremismus, Dogmatismus oder Fanatismus umschlagen, weshalb Wachheit und Reflexion essenziell sind.
Wachstum in Verantwortung ist eine organische Entwicklung: Der Weg zu mehr Verantwortung erfordert nachhaltiges, organisches Wachstum unter Berücksichtigung individueller Entwicklungsgeschwindigkeiten, anstelle kurzfristiger, unnachhaltiger Methoden.
Wie du dein Selbstbewusstsein aufbauen und innere Stärke entwickeln kannst
Mobbing kann jeden treffen, egal ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder sogar im Freundeskreis, und oft fühlt man sich machtlos und allein. Doch was viele nicht wissen: Ein starkes Selbstbewusstsein und innere Stärke können der Schlüssel dazu sein, Mobbing zu überstehen und sich vor emotionalen Angriffen zu schützen. Aber wie baut man diese innere Stärke auf und stärkt sein Selbstbewusstsein? In diesem Artikel zeige ich dir praktische Tipps und Strategien, die dir helfen können, deine eigene Stärke zu entdecken und zu entfalten. Lass uns gemeinsam auf die Reise gehen, um aus negativen Erfahrungen herauszuwachsen und eine positive, selbstbewusste Zukunft zu gestalten.
Mobbing verstehen: Die Macht des Selbstbewusstseins
In diesem Abschnitt werden wir uns damit befassen, was Mobbing eigentlich ist, warum Selbstbewusstsein so wichtig ist, um ihm zu begegnen, und wie innere Stärke als Schutzschild fungieren kann. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für unsere Reise zur Stärkung deines Selbst.
Definition und Unterschiede von Mobbing
Mobbing ist mehr als nur ein gelegentlicher Konflikt. Es handelt sich um ein systematisches und wiederholtes Verhalten, das darauf abzielt, eine Person zu schikanieren, zu isolieren oder zu erniedrigen.
Der Unterschied zwischen einem normalen Konflikt und Mobbing liegt in der Häufigkeit, Dauer und Absicht. Während Konflikte oft lösbar sind und auf Augenhöhe stattfinden, ist Mobbing ein Machtungleichgewicht, bei dem das Opfer sich hilflos fühlt.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Mobbing in verschiedenen Formen auftreten kann: verbal, physisch, sozial oder sogar digital. Um mehr dazu findest du auch auf der Webseite von No(!) Mobbing.
Die Bedeutung von Selbstbewusstsein und emotionaler Kompetenz bei Mobbing
Selbstbewusstsein ist wie ein innerer Kompass, der uns hilft, unseren Wert zu erkennen und für uns einzustehen. Es ist der Schlüssel, um Mobbing-Situationen besser zu bewältigen und sich weniger angreifbar zu fühlen.
Ein starkes Selbstbewusstsein kann die Dynamik in Mobbing-Situationen verändern. Täter suchen oft nach „leichten Zielen“ – Menschen, die unsicher wirken. Wenn du Selbstsicherheit ausstrahlst, wirst du weniger wahrscheinlich als Ziel ausgewählt.
Zudem hilft Selbstbewusstsein dabei, klare Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen. Es ermöglicht dir, deine Bedürfnisse zu kommunizieren und für dich selbst einzustehen. Allerdings nur, wenn dein Selbstbewusstsein auf der emotionalen Ebene mit der Fähigkeit verbunden ist, die Kraft deiner Wut bewusst zu nutzen. Wenn du Zugang zu deiner verantwortlichen Wutkraft hast, dann BIST du die Grenze! Emotional Empowerment ist hier der Schlüssel. Nimm an meinem kostenlosen Webinar „Emotional gesund in einer rationalen Welt“ teil, um hier die Grundlagen kennenzulernen.
Innere Stärke als Schutzschild gegen Mobbing
Innere Stärke ist wie ein unsichtbarer Schutzschild, das uns hilft, emotionale Angriffe abzuwehren und Herausforderungen besser zu meistern. Sie basiert auf einem tiefen Verständnis unserer selbst und unserer Werte.
Mit innerer Stärke können wir negative Kommentare oder Handlungen anderer besser einordnen und uns weniger davon beeinflussen lassen. Wir entwickeln eine Art emotionale Resilienz, die uns hilft, auch in schwierigen Situationen ruhig und gefasst zu bleiben.
Diese Stärke hilft uns auch, proaktiv zu handeln, anstatt nur zu reagieren. Wir können Lösungen finden und Unterstützung suchen, wenn wir sie brauchen. Um deine innere Stärke zu aktivieren, biete ich meine Emotional Empowerment Trainings an. Hier lernst du alles, was du brauchst, um innere Stärke zu entwickeln und was dir weder in der Schule noch an der Uni beigebracht wird: zentriert und fokussiert sein, deine Gefühle als Kraftquelle nutzen, alte traumatische Erlebnisse (z.B. Mobbing) zu verarbeiten und in Beziehung zu anderen klar zu kommunizieren und für dich einzustehen.
Erste Schritte zur Selbstakzeptanz
Bevor wir unser Selbstbewusstsein stärken können, müssen wir lernen, uns selbst zu akzeptieren. In diesem Abschnitt erfährst du, wie du dich selbst besser kennenlernen und annehmen kannst – der erste Schritt zu einem stärkeren Ich.
Selbstreflexion und Stärken erkennen
Selbstreflexion ist der Schlüssel, um unsere eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Es geht darum, ehrlich mit sich selbst zu sein und sich Zeit für innere Betrachtungen zu nehmen.
Ein guter Ansatz ist es, regelmäßig ein Tagebuch zu führen. Notiere deine Gedanken, Gefühle und Erfahrungen. Achte besonders darauf, welche Situationen dir Freude bereiten und in welchen du dich kompetent fühlst.
Bitte auch Freunde und Familie um Feedback. Oft sehen andere Qualitäten in uns, die wir selbst übersehen.
Warum Selbstakzeptanz bei Mobbing wichtig ist
Selbstakzeptanz bedeutet, sich selbst mit allen Stärken und Schwächen anzunehmen. Es ist der Grundstein für ein gesundes Selbstbewusstsein und emotionales Wohlbefinden.
Wenn wir uns selbst akzeptieren, sind wir weniger anfällig für die negativen Meinungen anderer. Wir definieren unseren Wert nicht mehr über die Anerkennung von außen, sondern finden Bestätigung in uns selbst.
Selbstakzeptanz ermöglicht es uns auch, authentisch zu sein und unsere wahre Persönlichkeit zu zeigen. Dies führt oft zu tieferen und erfüllenderen Beziehungen.
Strategien zur Stärkung des Selbstbewusstseins
Nachdem wir die Grundlagen gelegt haben, wenden wir uns nun konkreten Strategien zu, die dir helfen, dein Selbstbewusstsein zu stärken und deine innere Stärke zu entwickeln. Diese Techniken sind praktisch und können in deinen Alltag integriert werden.
Realistische Ziele setzen
Das Setzen und Erreichen realistischer Ziele ist ein kraftvoller Weg, um Selbstvertrauen aufzubauen. Es gibt dir ein Gefühl der Kontrolle und des Fortschritts in deinem Leben.
Beginne mit kleinen, erreichbaren Zielen. Diese können so einfach sein wie „Ich werde heute 10 Minuten meditieren“ oder „Ich werde diese Woche dreimal joggen gehen“. Wichtig ist, dass die Ziele spezifisch, messbar und zeitlich begrenzt sind.
Feiere jeden Erfolg, egal wie klein er erscheinen mag. Diese Erfolgserlebnisse sind der Treibstoff für dein wachsendes Selbstbewusstsein. Mit der Zeit kannst du die Ziele schrittweise anspruchsvoller gestalten.
Wirkung von Körperhaltung und Kommunikation
Unsere Körperhaltung und die Art, wie wir kommunizieren, haben einen enormen Einfluss auf unser Selbstbewusstsein und wie andere uns wahrnehmen. Eine aufrechte Haltung signalisiert Stärke und Selbstsicherheit.
Übe bewusst, den Rücken gerade zu halten, die Schultern zurückzunehmen und den Kopf hoch zu halten. Diese „Power Pose“ kann tatsächlich dein Selbstvertrauen steigern, indem sie deine Hormone beeinflusst.
In der Kommunikation ist es wichtig, klar und deutlich zu sprechen. Vermeide Füllwörter und „Ich denke“ oder „vielleicht“. Sprich stattdessen mit Überzeugung und nutze „Ich-Botschaften“. Blickkontakt und ein fester Händedruck unterstreichen deine selbstbewusste Ausstrahlung.
Komfortzonen verlassen für Wachstum
Wahres Wachstum geschieht oft außerhalb unserer Komfortzone. Indem wir uns neuen Herausforderungen stellen, erweitern wir unsere Fähigkeiten und stärken unser Selbstvertrauen.
Jedes Mal, wenn du deine Komfortzone verlässt, lernst du etwas Neues über dich selbst und deine Fähigkeiten. Diese Erfahrungen sind unschätzbar wertvoll für dein persönliches Wachstum und dein Selbstbewusstsein.
Beginne mit kleinen Schritten. Wenn du z.B. schüchtern bist, könntest du dir vornehmen, jeden Tag mit einem Fremden ein kurzes Gespräch zu führen. Oder melde dich für einen Kurs an, der dich interessiert, aber bisher zu einschüchternd erschien. Das Emotional Empowerment Basis Training bespielsweise ist genau dafür konzipiert, die Möglichkeiten und die Kraft, die jenseits deiner Komfortzone auf dich warten, bewusst in Besitz zu nehmen. Ein weitere Vorteil liegt darin, dass du es nicht alleine machen musst, sondern mit der Unterstützung einer Gruppe von Gleichgesinnten.
Bist du bereit, vom Opfer der Umstände zum kraftvollen Schöpfer deines Lebens zu werden?
Was ist Mobbing und wie unterscheidet es sich von normalen Konflikten?
Mobbing ist ein systematisches, wiederholtes Verhalten, bei dem eine Person schikaniert, isoliert oder erniedrigt wird, während normale Konflikte oft kurzlebig sind und auf Augenhöhe stattfinden. Mobbing ist durch ein Machtungleichgewicht gekennzeichnet.
Warum ist Selbstbewusstsein im Umgang mit Mobbing so wichtig?
Selbstbewusstsein hilft dir, deinen Wert zu erkennen, klare Grenzen zu setzen und dich weniger angreifbar zu machen, was es einfacher macht, Mobbing-Situationen zu bewältigen.
Was versteht man unter innerer Stärke und wie schützt sie vor Mobbing?
Innere Stärke ist wie ein unsichtbarer Schutzschild, das emotionale Angriffe abwehrt und hilft, negative Kommentare zu relativieren. Sie basiert auf Selbstverständnis und Werten und stärkt die Resilienz.
Wie kann man Selbstakzeptanz entwickeln, um besser mit Mobbing umzugehen?
Selbstakzeptanz bedeutet, sich selbst mit all seinen Stärken und Schwächen anzunehmen, was das Selbstvertrauen stärkt und den Einfluss negativer Meinungen anderer verringert.
Was sind praktische Strategien, um das Selbstbewusstsein zu stärken?
Praktische Strategien umfassen das Setzen realistischer Ziele, bewusste Körperhaltung und klare Kommunikation, sowie das Verlassen der Komfortzone, um persönliches Wachstum zu fördern.
Es war einmal ein junger Apfelbaum. Es war sein erster Sommer auf dieser Erde und er stand noch nicht sehr hoch gewachsen in einem großen Hain mit Apfelbäumen. Total begeistert und mit Ehrfurcht beobachtete er, was um ihn herum vorging. Im Frühling blühte alles in Weiß und Pink. Es war unglaublich schön. Und jetzt im Spätsommer waren die älteren Bäume beladen mit großen Äpfeln in Rot, Gelb und Grün und ihre Äste hingen von dem Gewicht tief herab. Und die Leute kamen und pflückten die Äpfel von den Bäumen und aßen sie freudig oder machten leckere Apfelkuchen oder andere Dinge daraus.
Der junge Apfelbaum war davon so begeistert, dass er beschloss, so bald wie möglich auch Äpfel zu bekommen. Schließlich war er ein Apfelbaum und es war seine Bestimmung, Äpfel hervorzubringen. Aber da er nicht wusste, wie das mit den Äpfeln funktionierte, beschloss er, die erfahreneren Bäume danach zu fragen. So sagte er zu einigen der älteren Bäume in der Nähe: “Hey Leute. Ich habe den ganzen Frühling und Sommer lang beobachtet, wie Ihr diese wundervollen Blumen und Äpfel hervorgebracht habt und ich habe beschlossen, eurem Beispiel zu folgen. Könnt Ihr mir sagen, wie das alles funktioniert? Wie kann ich Äpfel hervorbringen? Ich will es schnell lernen, damit ich der Welt meine Äpfel schenken kann.” Die älteren Bäume lachten leise als sie diesem inspirierten jungen Burschen zuhörten und sie erzählten ihm alles über die Blumen und die Bienen und die Knospen und wie endlich ein Apfel daraus wächst.
Und der junge Apfelbaum sagte: “Oh, ich verstehe, das ist einfach. Ich denke, das kann ich auch. Immerhin bin ich ein Apfelbaum. Ich habe einen Stamm, ich habe Wurzeln, ich habe auch einige Blätter. Ich denke, ich werde ungefähr 3 Monate brauchen, um zu lernen, wie man Blüten hervorbringt und einige Bienen anlockt.” Aber die älteren Bäume sagten zu ihm: „Aber in drei Monaten wird es Winterzeit sein. Es wird kalt sein und es wird keine Bienen geben. Und aus unserer Erfahrung müssen wir dir sagen, dass es vielleicht ein bisschen zu früh für dich ist, Äpfel hervorzubringen. Du musst zuerst noch ein wenig mehr wachsen und all die Kräfte sammeln, die dir die Erde, das Wasser und die Luft zur Verfügung stellen, um starke Wurzeln, große Zweige und ein dichtes Blattkleid zu entwickeln, damit du stark genug wirst, um Äpfel hervorzubringen und sie auch zu tragen. Lass dir ein wenig Zeit, es könnte drei oder vier Sommer dauern, bis du bereit bist.“
Als er dies hörte, war der junge Apfelbaum irgendwie ernüchtert und wurde wütend. In seiner Wut sagte er: “Drei oder vier Sommer? Warum versucht Ihr mich aufzuhalten? Es ist meine Bestimmung, Äpfel hervorzubringen. Und Äpfel sind so wichtig für die Welt – sie sind gesund und saftig und köstlich, und sie können eine Menge Leute ernähren. Warum wollt Ihr mich davon abhalten, meinen Dienst zu erbringen?” Und die älteren Bäume antworteten: “Wir wollen dich nicht aufhalten. Es ist deine Bestimmung, Äpfel hervorzubringen. Und weil Äpfel so wichtig sind, ist es wichtig, dass du dich gut vorbereitest, um saftige Äpfel hervorzubringen.” Aber der junge Apfelbaum war nicht überzeugt und sagte: “Ihr kennt mich doch überhaupt nicht, Ihr könnt gar nicht wissen, ob ich bereit bin oder nicht. Und die Welt hat sich verändert, alles geht jetzt schneller. Der Boden hat sich verändert, das Wasser hat sich verändert und die Luft hat sich verändert. Wie könnt Ihr es da wissen? Es ist eine ganz andere Situation als es damals bei euch war.”
Immer noch zornig, wandte sich der junge Apfelbaum von den älteren Bäumen ab und sprach mit sich selbst: “Diese alten steifen Bäume mit ihren veralteten Meinungen. Sie wollen mich nur zurückhalten, um den ganzen Ruhm für sich zu haben. Sie haben nur Angst, dass ich größere und köstlichere Äpfel wachsen lassen könnte, als sie es tun. Und dann würden alle Leute nur meine Äpfel essen und preisen statt ihrer. Sie sind nur neidisch.” Also redete er nicht mehr mit den älteren Bäumen und wandte sich stattdessen den anderen jungen Bäumen im Garten zu. Und die älteren Bäume waren sehr traurig darüber, weil sie wirklich in Kontakt sein und die jüngeren Bäume unterstützen wollten. Aber sie hatten den Eindruck, dass ihre Erfahrung nicht gewollt war oder als böser Wille missinterpretiert wurde. Sie sprachen den jüngeren Baum deshalb nicht mehr an, weil sie dachten, es sei sinnlos. So wurde es etwas still im Apfelgarten.
In den folgenden Monaten nahm der junge Apfelbaum alle Kräfte zusammen, um Blüten wachsen zu lassen. Er saugte so viel Energie wie möglich aus dem Boden, aus dem Wasser und aus der Luft, aber seine ganze Struktur war noch nicht dazu geschaffen, mehr als eine bestimmte Menge an Energie zu speichern. Im Winter wurde es kalt und es gab keine Bienen, wie die älteren Bäume ihm gesagt hatten. Aber anstatt in dieser Zeit zu ruhen, versuchte er immer noch, Blüten wachsen zu lassen, mit all seiner Kraft. Im Frühling verwendete er wieder jedes bisschen Energie für sein Blühprojekt, so dass keine Energie mehr für sein Blätterkleid übrigblieb. Und er war seit dem letzten Sommer auch nicht gewachsen, weil er seine ganze Kraft auf dieses eine Ziel konzentriert hatte. Aber siehe! Am Ende bekam er erste Blüten. Es waren nur drei oder vier, aber immerhin. Er war so stolz auf sich selbst, dass er sein Ziel erreicht hatte, dass er wirklich glücklich war. Vielleicht war er sogar der jüngste Apfelbaum mit Blüten, den es jemals gab? Okay, er hatte einen Preis dafür bezahlt – keine Blätter, er war nicht gewachsen, aber wen interessierte das? Schließlich war es seine Bestimmung, Äpfel hervorzubringen! Und jetzt war er seinem Traum so nah.
Die älteren Bäume im Obstgarten beobachteten mit wachsender Besorgnis was geschah. Der junge Apfelbaum war seit dem letzten Sommer nicht größer geworden, und – was ihnen noch mehr Sorgen bereitete – es war ihm noch kein einziges Blatt gewachsen. Stattdessen standen drei oder vier kleine nackte Blüten auf seinen Zweigen. Das war ganz und gar nicht so, wie es sein sollte. Aber immer noch gingen sie nicht auf den jungen Apfelbaum zu, weil sie dachten, es sei sinnlos. So konzentrierte sich der junge Apfelbaum als nächstes darauf, so viele Bienen wie möglich anzuziehen. Der Duft seiner Blüten war nicht sehr intensiv, so dass nur gelegentlich einige Bienen vorbeikamen und seine Blüten eher per Zufall auswählten. Also begann er sie mit seiner Stimme einzuladen. Aber offensichtlich hatte der Saft seiner Blüten auch keinen starken Geschmack, und so kamen die Bienen, wenn sie einmal da waren, nie wieder zurück. Aber der junge Apfelbaum war noch voller Hoffnung. Und nach einigen Wochen sah er, dass eine der Blüten sich in eine Knospe verwandelt hatte. “Wow! Ja!”, sagte der Apfelbaum zu sich selbst. Und mit der Zeit wurde die Knospe immer größer und verwandelte sich in einen Apfel! Und der junge Apfelbaum sagte: “Ich habe es geschafft. Ich habe meinen ersten Apfel bekommen und bald werden es mehr! “Und er grinste den ganzen Tag vor sich hin und beobachtete den Apfel und wartete darauf, dass er groß und rot wurde.
Und während die Tage wärmer wurden und der Sommer voranschritt und die Äpfel der großen Bäume von grün zu gelb und rot wechselten und groß und rund wurden, bis sie zu platzen drohten, blieb der Apfel des jungen Apfelbaums klein und dunkelgrün. Und der junge Baum wurde mehr und mehr besorgt, dass sein Apfel nicht reifen würde. Und während einer Nacht, als er schlief, kam ein starker Wind auf und verwandelte sich in ein Gewitter. Und der Wind schüttelte so sehr an den Zweigen des jungen Baumes und zog an dem kleinen Apfel, weil keine Blätter ihn schützten, dass der Apfel nach einigen Stunden aufgab und vom Baum auf den Boden fiel. So verlor der junge Apfelbaum seinen einzigen Apfel. Als er am Morgen aufwachte und sah, was passiert war, war er in Tränen aufgelöst. Er war so frustriert und traurig, dass er nach all seiner Mühe und harter Arbeit alles verloren hatte. Und der junge Apfelbaum gab sich fast selbst auf. Er hätte gerne mit den älteren Bäumen gesprochen, um zu fragen, was er jetzt tun könnte, aber er hatte Angst, dass sie nur sagen würden: “Wir wussten es vorher!”.
Einer der älteren Bäume sah was geschehen war und begann mit dem jungen Baum zu sprechen: “Hey Junge, was ist los? Was ist mit deinem Apfel passiert?” “Der Wind hat ihn mir weggenommen”, sagte der junge Baum. “Es tut mir so leid!”, antwortete der ältere Baum. “Es ist immer schwer Äpfel zu verlieren.” “Ja”, sagte der junge Baum, “es scheint, dass ich meine Bestimmung einfach nicht erfüllen kann. Ich bin nutzlos.” “Warum denkst du das?” fragte der ältere Baum, “da du ein Apfelbaum bist, ist es nicht möglich, deine Bestimmung nicht zu erfüllen.” Der jüngere Baum sah ihn fragend an und versuchte zu verstehen, was der ältere Baum wohl gemeint hatte. Er antwortete: “Aber ich konnte keinen Apfel wachsen lassen und tragen – also habe ich meine Bestimmung als Apfelbaum verfehlt.” Der ältere Baum begann in seiner tiefen und rollenden Stimme zu lachen. “Wenn du so weitermachst, wie du es in den letzten Monaten getan hast, wirst du sicherlich deine Bestimmung verfehlen, weil du niemals stark und groß werden wirst. Aber die Bestimmung eines Apfelbaums liegt nicht nur in den Äpfeln!” “Was?”, sagte der junge Baum, “was könnte es denn sonst sein, als Äpfel hervorzubringen?” “Ahh”, sagte der ältere Baum, “es scheint du hast dich zu sehr auf die Äpfel konzentriert, um all die anderen Dinge zu sehen, die ein Apfelbaum bietet.” “Kannst du mehr dazu sagen?”, fragte der jüngere Baum. “Natürlich, wenn du willst”, sagte der ältere Baum. “Weißt du, sobald deine ersten kleinen Sprossen ans Licht kommen, bist du als Apfelbaum im Dienst. Mit deinen Wurzeln, deinem Stamm und deinen Zweigen gibst du vielen kleinen Wesen eine Heimat. Und die erste Stufe deines Trainings als Apfelbaum besteht darin, die Beziehung zu diesen kleinen Wesen zu meistern. Wenn du größer wirst und dein Blätterkleid dichter, kannst du brütenden Vögeln oder kleinen Tieren wie Eichhörnchen ein Zuhause geben. Und du kannst auch beginnen, anderen Wesen Schutz vor der Sonne oder dem Regen zu bieten. Und das, ohne dass du jemals eine Blüte hervorbringst, geschweige denn einen Apfel. Und dann, wenn du das gemeistert hast, besteht der nächste Schritt darin, Blüten wachsen zu lassen und damit Schönheit und Nahrung für wieder andere Wesen bereitzustellen. Und auch wenn keine der Blüten zu einer Knospe oder einem Apfel wird, bist du dennoch als Apfelbaum im Dienst. Und dann, wenn du stark und groß genug geworden bist und genug Erfahrungen mit all deinen bisherigen Diensten gemacht hast, wird es Zeit für dich, Äpfel hervorzubringen. Und es wird ohne Anstrengung passieren – denn es ist der nächste natürliche Schritt, weil du bereit dafür bist.“
“Vielen Dank”, sagte der junge Baum erleichtert. “So habe ich es nie gesehen. Also habe ich meine Bestimmung gar nicht verfehlt! Ich war nur von den Äpfeln so fasziniert, dass ich all die anderen Dinge, die ein Apfelbaum bieten kann, übersehen habe.” Dann fing er an zu lachen, denn plötzlich fühlte er ein Kitzeln an seiner rechten Seite. Als er nach unten sah, bemerkte er eine lange Reihe Ameisen, die an seinem Stamm hinaufkrabbelte. Und glücklich mit der neuen Perspektive, die der ältere Baum ihm gegeben hatte, grüßte er sie mit einem großen und einladenden: “Halloooooho! Willkommen auf meiner Rinde! “
Solange du keine Bewusstheit darüber hast, wozu du wirklich fähig bist, bist du zu nichts wirklich fähig!
In meiner Berufungs-Coaching Praxis begegne ich täglich Menschen, die keine Ahnung haben, wozu sie wirklich fähig sind. Und vielleicht glaubst du jetzt, ich spreche dabei von Talenten und Qualitäten. Denn schon da hapert es gewaltig, da wir in der Regel dazu erzogen werden, bescheiden zu sein und nicht zu prahlen. Außerdem macht es das vorherrschende Bildungssystem schwer bis unmöglich herauszufinden, welche speziellen und besonderen Talente du hast. Kaum jemand ist in der Lage sich hinzustellen und zu sagen: „Ich bin gut in …“ oder „Was ich besonders gut kann, ist …“. Es dauert manchmal mehrere Coachings-Sessions, um einerseits herauszufinden, wo die Stärken und Talente meiner Klienten liegen und sie dann auch noch dazu zu ermutigen, wirklich dazu zu stehen. „Das ist doch nichts Besonderes!“, höre ich da immer wieder oder: „Naja, das kann ich schon ganz gut, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass das ein Talent ist.“
Aber wie gesagt, davon spreche ich überhaupt nicht! Natürlich ist es wichtig zu wissen, was du gut kannst und wo deine Talente liegen, um deine Berufung leben zu können. Wenn ich dich aber frage, wozu du wirklich fähig bist, meine ich etwas ganz anderes, was aber mindestens genauso entscheidend ist, um die eigene Berufung zu leben – wenn nicht vielleicht sogar noch entscheidender. Ich spreche von deiner Unterwelt, von deiner Schattenseite!
Und deine Schattenseite ist auch nicht das, was du nicht gut kannst oder die kleinen Schwächen, die mir im Berufungs-Coaching immer wieder aufgezählt werden: „Ich kann mich nicht gut verkaufen“, „Ich bin zu sensibel“, „Ich bin eher introvertiert“ usw. Bei deiner Unterwelt handelt es sich um die dunklen, in der Regel unbewussten und unverantwortlichen Abgründe deiner Persönlichkeit, mit denen du dein Leben solange sabotieren wirst, solange du keine Bewusstheit darüber hast. Denn solange dir nicht bewusst ist, wozu du wirklich fähig bist – und ich meine das im übelsten Sinne des Wortes – bist du entweder eine wandelnde, tickende Zeitbombe oder nichts weiter als ein wirkungsloser „Blindgänger“. Wenn du deine Schattenseite nicht in Besitz genommen hast, entfaltet dein Leben entweder überhaupt keine Wirkung oder schlimmstenfalls eine Wirkung, die dir nicht gefällt.
Die eigene Unterwelt in Besitz zu nehmen ist nicht nur eine Voraussetzung dafür, deine Berufung zu leben, es ist ein grundsätzlicher Bestandteil des Übergangs zum verantwortlichen Erwachsensein. Leider wird uns dieser Prozess auf dem Weg zum Erwachsenwerden in unserer Kultur nicht zur Verfügung gestellt. Dennoch ist das Wissen darüber vollständig vorhanden – nämlich in unseren Geschichten – in den alten, genauso wie in den neuen, modernen Geschichten. Jede klassische Heldengeschichte beinhaltet eine Reise in die Unterwelt und einen Kampf gegen den (inneren) Dämon – und erst die Reise in die Unterwelt lässt das Handeln des Helds wirklich wirksam werden. Egal ob es sich um die altertümlichen Helden, wie Herkules oder Odysseus handelt oder um ganz moderne Helden, wie zum Beispiel Luke Skywalker aus der berühmten Weltraumsaga Star Wars.
Zu Beginn der Geschichte ist Luke ein ziemlich netter Junge, mit Flausen im Kopf und Träumen von der großen weiten Welt. Er ist echt nett, sehr naiv und vor allem eines: vollkommen harmlos! Sein Leben hat keine Wirkung – es wird bestimmt durch die Umstände in denen er lebt. Dann, durch einen plötzlichen Schicksalsschlag dieser Umstände „beraubt“, beginnt er seine Odyssee, seine Heldenreise – die in Wirklichkeit seine Initiation ins Erwachsensein und in seine Bestimmung darstellt. Auf dieser Reise lernt er allerlei neue Fähigkeiten und entdeckt verborgene Talente, die er – begleitet durch Mentoren und Lehrer – diszipliniert trainiert und verfeinert. So verwandelt er sich Schritt für Schritt vom netten harmlosen Jungen zum strahlenden Helden. Aber etwas fehlt – Luke ist sich immer noch nicht darüber bewusst, zu was er wirklich fähig ist – welche Kraft wirklich in ihm steckt. Er ist sich nicht darüber bewusst, dass er nicht nur eine positive strahlende Heldenseite besitzt, sondern ebenso eine böse, hinterhältige und grausame Schattenseite, die er im Außen in der Gestalt des allmächtigen „Imperiums“ und dem dämonischen Darth Vader so sehr verabscheut und bekämpft.
Und da er diese Kraft noch nicht kennt, sich nicht bewusst darüber ist, dass sie ein Teil von ihm ist und ihr Vorhandensein vielleicht sogar verleugnet, kann er seine Bestimmung nicht bis ins letzte erfüllen. Er muss sich erst seinem inneren Monster stellen, es akzeptieren, dass es dieses Monster auch in ihm gibt, bevor er das Monster im außen „erledigen“ kann – denn darin liegt seine Bestimmung. Um Darth Vader als ebenbürtiger Gegner entgegentreten zu können, muss Luke also zunächst hinabsteigen in seine Unterwelt. Sein Mentor Yoda schickt ihn dorthin und auf Lukes Frage: „Was werde ich dort finden?“ sagt Yoda: „Nur das, was du selbst mitbringst …“
In der Unterwelt begegnet Luke seinem Erzfeind Darth Vader und erkennt: Darth Vader ist ein Teil von ihm – seine Boshaftigkeit, Machtgier und Grausamkeit stecken auch in ihm selbst. Ihm wird bewusst, dass er kein harmloser Junge mit einem Laserschwert ist, sondern dass er ebenso fähig ist, zu töten und unermessliches Leid zu erzeugen. Diese schmerzhafte Erkenntnis versetzt ihn in die Lage, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und es ermöglicht ihm, eine bewusste Wahl zu treffen zwischen der hellen und der dunklen Seite der Macht. Die Wahl eines erwachsenen, initiierten Mannes. Erst dann, nämlich nachdem Luke bewusst geworden ist, zu was er wirklich fähig ist, ist er in der Lage, seine Bestimmung zu erfüllen.
Vor kurzem habe ich in einem Facebook-Post gelesen: „Spiritualität bedeutet nicht, positiv zu werden, Spiritualität bedeutet, bewusst zu werden.“ Was viele New Age Disziplinen hingegen propagieren bzw. versprechen, ist eine Abkürzung auf dem Weg zur Erleuchtung. Die Unterwelt wird dabei komplett außer Acht gelassen oder sogar verteufelt. Du musst nur genug meditieren und positiv denken, dann hat das Böse keine Macht über dich. Na dann, viel Glück! Das Problem ist, der Weg zur Erleuchtung bzw. zu deiner Bestimmung führt nun mal geradewegs durch deine Unterwelt, egal ob dir das bewusst ist oder nicht. Du magst noch so hehre Ziele haben und dich auf den Weg machen, um deine Vision in die Tat umzusetzen und dabei die Welt zu retten – schon an der nächsten Straßenecke begegnet dir der König deiner Unterwelt – im Possibility Management nennen wir ihn den Gremlin. Vielleicht kommen dir die ersten Zweifel, ob du das wirklich kannst. Oder es entsteht der Gedanke in dir: „Da gibt’s doch bestimmt einen einfacheren Weg! Ich muss nur die richtige Idee haben und dann rollt der Rubel!“ Oder dein Perfektionismus schlägt zu und überzeugt dich „Ich bin nicht gut genug – das schaffe ich nie!“ Oder du siehst dich als das arme Opfer widriger Umstände, die es dir leider unmöglich machen, deiner Bestimmung weiter zu folgen. Du würdest ja, aber es geht einfach nicht. Du kehrst zurück zu einem Leben voller Mittelmäßigkeit und beschuldigst deine eigene Schwäche, andere oder die Umstände dafür. Kennst du das?
Das ist nichts anderes als deine Unterwelt, dein Gremlin, der unbewusst deine Ziele sabotiert. Denn solange du keine Bewusstheit hast über die unverantwortlichen Spiele, die du unbewusst spielst, um Verantwortung zu vermeiden, hast du nicht die Wahl zwischen der dunklen und der hellen Seite der Macht! Solange du glaubst, du bist harmlos, wird dein Leben harmlos bleiben! Wenn du also wirklich deine Bestimmung leben willst, wird es Zeit für dich, eine Reise in deine persönliche Unterwelt zu unternehmen und dich mit deinem Schatten zu konfrontieren.
Möge die Macht mit dir sein!
Herzlichst, Patrizia
P.S. Entdecke den Jedi in dir! Die das Emotional Empowerment Training ist so etwas wie eine Ausbildung zum modernen Jedi-Ritter. Dort hast du unter anderem die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen deine Reise in die Unterwelt zu durchlaufen und deinen inneren Dämonen zu begegnen. Voraussetzung dafür ist die vorherige Teilnahme am Emotional Empowerment Basis Training. Aktuelle Termine findest du im Kalender .
Bilderquelle: Twentieth Century Fox & Lucas Film Ltd.
Wie wir unsere Lebendigkeit unserer unbewussten Angst zu sterben opfern
Kennst du dieses Zitat von Norman Cousins?
„Der Tod ist nicht der größte Verlust im Leben. Der größte Verlust ist das, was in uns stirbt, während wir leben.“
Ich würde sogar sagen, der größte Verlust im Leben, sind die Dinge, die wir in uns sterben lassen, während wir leben. Ist das nicht paradox? Unsere Angst zu sterben ist so groß, dass wir gar nicht merken, dass wir das, was wir so sehr fürchten, bereits jetzt in unserem Leben erzeugen. Wir opfern unsere Lebendigkeit auf dem Altar der Angst und werden so zu lebenden Toten – quasi Zombies – die furchtbar penibel darauf achten, kein Risiko einzugehen. Ansonsten könnten wir ja wirklich sterben. Aber wo bitteschön ist der Unterschied zwischen lebendig tot und wirklich tot? Hast du dich das schon mal gefragt?
Und so kreieren wir uns ein Leben voller Mittelmäßigkeit und jeder Menge Hintertürchen. Und das System – unsere aktuelle Kultur – versucht, so gut es geht ihren Nutzen und Profit aus diesem Umstand zu ziehen. Ein Großteil unserer Wirtschaft und unsere Sozialsysteme bauen auf dieser Basis unbewusster Angst auf. Die Versicherungsbranche, das Bankenwesen, die Immobilienbranche, aber auch unser Arbeitsmarkt und das System abhängiger Arbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer basieren auf diesem Überlebenskampf – um nur einige Beispiele zu nennen. Lebende Tote lassen sich eben viel leichter steuern und manipulieren – sei es von der Werbung oder von der Politik.
Was lassen wir alles in uns sterben? Schon während unserer Schulzeit stirbt sehr viel in uns, denn unser Schulsystem ist nicht darauf ausgerichtet, kreative und selbständig denkende, unterschiedliche Persönlichkeiten zu bilden. Wir werden bereits zu dieser Zeit darauf getrimmt, in einem Umfeld von Konkurrenz und Bewertung zu überleben. Die Angst zu sterben schwingt die ganze Zeit auf der Metaebene mit. Denn wenn du keine guten Noten hast, schaffst du deinen Abschluss nicht und bekommst keinen Job, hast somit kein Geld und landest letztendlich unter einer Brücke. Und von da aus ist es nur ein kurzer Schritt ins … Nichts. Also lassen wir unsere Kreativität sterben, unsere Unbeschwertheit, unsere Einzigartigkeit und unseren Mut, nach dem WARUM zu fragen, …
Nach Schule und Studium geht es weiter und es dreht sich alles darum, einen guten Job zu ergattern. Gut heißt in diesem Spiel, sicher und gut bezahlt, inklusive aller Sozialleistungen. Gut heißt nicht, dass dieser Job irgendetwas mit unseren Talenten, unserer Leidenschaft oder unserer Berufung zu tun hat. Wenn die Arbeit halbwegs unseren Talenten entspricht, ist das ein Segen, aber dieser Faktor steht nicht an erster Stelle. Die Angst zu sterben schwingt die ganze Zeit auf der Metaebene mit. Immerhin müssen wir unsere Miete bezahlen und unsere Familie ernähren. Und wenn du keinen sicheren, gut bezahlten Job hast, hast du irgendwann kein Geld mehr und landest unter einer Brücke – zusammen mit deiner Familie. Und von dort aus ist es nur ein kurzer Schritt ins … Nichts. Also lassen wir unsere Vision und unsere Begeisterung sterben, unsere Berufung, unsere Abenteuerlust und unsere Neugier und übergeben unsere Autorität unserem Chef oder dem Staat.
In meiner Coachingpraxis erarbeite ich mit meinen Klienten das, was ihre wahre Berufung ist. Gemeinsam erstellen wir eine klare Vision von dem, was sie in dieser Welt wirklich bewirken möchten und aufgrund der ihnen gegebenen Talente auch in der Lage wären, zu tun. Am Ende des Coachings steht sogar ein klarer Plan, wie sie ihre Vision Schritt für Schritt umsetzen können. Doch trotz dieser Klarheit und der Sehnsucht, dieser Vision zu folgen, bleiben viele lieber in ihrer sicheren Komfortzone, weil die unbewusste Angst zu sterben einfach größer ist.
„Kämpft und Ihr sterbt – vielleicht, flieht und Ihr lebt – wenigstens eine Weile. Und wenn Ihr dann in vielen Jahren sterbend in Eurem Bett liegt, wäret Ihr dann nicht bereit, jede Stunde einzutauschen von heute bis auf jenen Tag, um einmal nur wieder hier stehen zu können …“
Braveheart, 20th Century Fox
Und um all das innere Sterben ertragen zu können, müssen wir auch unsere Gefühle sterben lassen. Wir werden taub und gefühllos – lebende Tote. Ansonsten würde der Schmerz über all das Sterben uns überwältigen. Unsere Häuser – gekauft oder gemietet – werden zu Gefängnissen und Gräbern. All die Dinge, die wir uns anschaffen, um uns sicher zu fühlen, beginnen uns zu besitzen, weil sie unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit und unser Geld absorbieren. Wir arbeiten nicht aus Begeisterung und um unseren einzigartigen Beitrag zum großen Ganzen zu leisten, sondern allein, um zu überleben.
Gleichzeitig nehmen wir aber auch nicht mehr wahr, was um uns herum alles stirbt. Die Taubheit, die wir uns selbst gegenüber erzeugt haben, macht uns auch taub gegenüber dem Sterben das auf dem Planeten Erde vor sich geht. Eine Tatsache, die uns langfristig wirklich bedrohen und in einen Überlebenskampf bringen könnte.
Was uns wirklich fehlt, ist die Bereitschaft zu sterben. Wir vergeuden all unsere Energie darauf, vermeintliche Sicherheit zu erlangen und laufen damit einer Illusion hinterher. Mehr noch, wir verkaufen unsere Seele an diese Illusion. Der Tod ist untrennbar mit dem Leben verbunden. Wir werden sterben – früher oder später. Warum also nicht die Zeit nutzen und einen Unterschied bewirken? In den meisten indigenen Kulturen gibt es einen rituellen Übertritt ins Erwachsensein, bei denen die Jugendlichen wirklich ihr Leben aufs Spiel setzen. Sie verbringen zum Beispiel eine Woche alleine in der Wildnis, ohne Essen oder zusätzliche Kleidung dabei zu haben. Sie machen die Erfahrung, wie es ist, als Erwachsener mit dem Tod als ständiger und natürlicher Begleiter des Lebens, zu agieren. Wenn sie es schaffen und zurück in ihr Dorf kommen, werden sie gefragt, welchen Beitrag sie zum großen Ganzen leisten wollen und werden dann als Erwachsene in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.
Raphael Fellmer, “Glücklich ohne Geld”
In unserer modernen westlichen Kultur bleibt uns diese Erfahrung vorenthalten. Wir machen nicht die Erfahrung, dass wir trotz Angst und der Gefahr zu sterben, in der Lage sind, lebendig zu sein und unserer einzigartigen Vision zu folgen. Deshalb glauben wir auch nicht daran, dass das möglich ist. Aber wir können verändern, was wir glauben. Es gibt bereits viele Menschen, die das getan haben.
Dazu bedarf es lediglich einer Entscheidung. Wenn wir wirklich unser volles Potenzial leben wollen, unsere Berufung, eine nährende und intensive Beziehung, 100 % Lebendigkeit und ein Leben geprägt von Sinnhaftigkeit und Begeisterung, bedarf es dieser Entscheidung. Bist du wirklich bereit, zu sterben?
Herzlichst, Eure Patrizia
Nützliche Fragen:
Was hast du alles in dir sterben lassen, seitdem du auf der Welt bist?
In Bezug auf was, stellst du dich jetzt gerade tot?
Was könntest du alles tun, wenn du wirklich bereit wärest, zu sterben?
Stell dir dich vor mit 80, 90 oder 100 Jahren und du liegst auf deinem Totenbett – welche Dinge in deinem Leben würdest du wirklich bedauern, dass du sie nicht getan hast?
Was glaubst du müsste alles passieren, damit du anfängst wirklich zu leben?
Patrizia PatzTrainerin, Coach, Speakerin, Autorin
Patrizia Patz ist Expertin für emotional Empowerment. Als Trainerin und Coach vermittelt sie emotionale Kompetenz und gesunden Umgang mit Gefühlen. Sie schrieb „Edgeworker. Leadership war gestern! Es ist Zeit für die Führungs(R)Evolution!“, „GEFÜHLE – Emotional gesund in einer rationalen Welt“ und „Ich mach mein Ding – wie du Beruf und Berufung vereinst.“