Der Kontext bestimmt, was möglich ist

Der Kontext bestimmt, was möglich ist

Warum neue Management- oder Führungsmethoden oft unwirksam sind

Viele Unternehmen und Organisationen stehen im Moment an einem Punkt, an dem die gewohnten Vorgehensweisen, die in der Vergangenheit vielleicht ganz gut funktioniert haben, auf einmal nicht mehr dieselben Ergebnisse produzieren. Die Welt verändert sich gerade rasend schnell und Unternehmen und Organisationen hinken oft hinterher, weil sie nicht schnell genug auf diese Veränderungen reagieren können. Und vielleicht haben Sie in Ihrer Organisation auch schon viel an Neuem ausprobiert und dazu Trainings und Change-Prozesse durchlaufen – aber so richtig viel geändert hat sich dadurch nicht? Doch woran liegt das?

Eine in der Regel wenig berücksichtigte, aber sehr massive Einflussgröße ist der sogenannte Kontext. Der Kontext ist das Umfeld, in welches ein System eingebettet ist. Das System verhält sich entsprechend der Einflüsse des Kontexts. Der Kontext bestimmt somit typische Verhaltensmuster im System. Er verleiht den Einzelteilen eines Systems so auch einen bestimmten Sinnzusammenhang. So kann die gleiche Sache in unterschiedlichen Kontexten, eine unterschiedliche Bedeutung haben.

Ein Beispiel aus der Natur ist das Öko-System Wald. Dieses System wird von bestimmten Faktoren beeinflusst, die den Kontext darstellen, in den das System eingebettet ist. Kontextgrößen wären in diesem Fall z.B. die Bodenbeschaffenheit, die Wasserqualität oder das Klima. Ein Wald im nordwestlichen Europa sieht entsprechend dem vorherrschenden Kontext völlig anders aus, als beispielsweise ein Wald in Südostasien.

Zusammenhang von System und Kontext, Dr. Robert Gilman (Quelle: Vortrag “What time is it?”, Dr. Robert Gilman)

Würden wir nun versuchen, unseren nordwestlichen Wald in einen südostasiatischen Regenwald zu verwandeln, würde uns der hier vorherrschende Kontext schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Der Kontext ließe diese Veränderung nicht zu und die Pflanzen würden einfach absterben. Im Gegensatz dazu können wir beobachten, dass im Zuge des aktuellen Klimawandels, der quasi eine „ungewollte“ Änderung des Kontexts darstellt, es Pflanzen aus völlig fremden Erdteilen auf einmal gelingt, sich in nordwestlichen Breitengraden anzusiedeln. Der Kontext bestimmt also, was in einem System möglich ist und was nicht.

Das gleiche gilt für einen kulturellen bzw. ideellen Kontext. Unser System „Gesellschaft“ ist eingebettet in einen herrschenden kulturellen Kontext. Das Problem ist, dass uns dieser kulturelle Kontext meist nicht bewusst ist, da die Einflussgrößen eines kulturellen Kontexts nicht aus physisch messbaren Faktoren, wie Bodenbeschaffenheit, Wasser oder Klima bestehen, sondern ideeller Natur sind, d.h. aus Annahmen, Unterscheidungen, Regeln und Paradigmen bestehen, die als gegeben betrachtet und in der Regel lange Zeit nicht mehr hinterfragt werden. Es handelt sich dabei um eine bestimmte Art der Weltanschauung oder eine geltende Lehrmeinung.

Eine Organisation oder ein Unternehmen ist ebenfalls ein System, welches in einen ideellen Kontext eingebettet ist. In Bezug auf Unternehmen in der westlichen modernen Welt könnte dieser noch herrschende Kontext als „durch Sozialgesetze entschärfter patriarchaler Kapitalismus“ beschrieben werden. Dieser Kontext beinhaltet ganz bestimmte Regeln und Annahmen, die wiederum zu typischen Vorgehensweisen im System führen. Vorrangiges Ziel unternehmerischen Handelns in diesem Kontext ist es, Gewinne zu erzielen und dazu Marktanteile auszubauen.

Typische Annahmen, Paradigmen und Verhaltensweisen in diesem Kontext sind z.B.:

  • Konkurrenz und Wettbewerb sind förderlich und beleben das Geschäft
  • Es geht um Gewinnen oder Verlieren (von Ressourcen, Marktanteilen, Status …) – der Stärkere gewinnt
  • Der Markt wird reguliert durch Angebot und Nachfrage
  • Menschliche Arbeit ist eine quantifizierbare Ressource (human resources), die verwaltet werden muss
  • Hierarchien sind notwendig, um effektiv Ziele zu erreichen
  • Menschen in Organisationen müssen geführt, motiviert und kontrolliert werden, damit sie funktionieren

Das Ergebnis des wirtschaftlichen Handelns das auf diesem Kontext basiert, lässt sich an der derzeitigen Verfassung unseres Planeten ablesen, wie auch an den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten. Was in der Vergangenheit gut funktioniert zu haben scheint, entpuppt sich angesichts der aktuellen globalen Entwicklungen als sicherer Weg in den kollektiven Untergang.

Tiefgreifende und nachhaltige Veränderungen sind deshalb notwendig, um diesen eingeschlagenen Weg zu verlassen – Prinzipien wie Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und CSR (Corporate Social Responsibility) werden notwendig. Die Schwierigkeit dabei ist, dass der kulturelle Kontext sich selbst schützt, d.h. für den derzeitigen kapitalistischen und wachstumsorientierten Kontext sind nur jene Veränderungen akzeptabel, die den derzeit gültigen Paradigmen entsprechen. Veränderungen, die jedoch darüber hinausgehen und diese Paradigmen außer Kraft setzen würden, rufen automatisch Gegenkräfte hervor, um den bestehenden Kontext zu schützen. Wenn Sie also neue, bahnbrechende Ideen oder Vorgehensweisen haben und Sie versuchen, diese im alten Kontext anzuwenden, dann ist das Scheitern der Durchsetzung sozusagen vorprogrammiert. Der bisherige Kontext ist nicht darauf ausgelegt, neue Vorgehensweisen zuzulassen.

Wenn Unternehmen also z.B. ihre Mitarbeiter zu mehr Engagement, Selbstverantwortung und Initiative bringen wollen und ihnen dazu Schulungen und Trainings zur Verfügung stellen, im Unternehmen aber noch dieselben hierarchischen Pyramiden-Strukturen herrschen, die ursprünglich dazu entworfen waren, um Mitarbeiter auf Linie zu halten, dann bietet der Kontext einfach keinen Nährboden für diese Veränderung. Wenn Unternehmen z.B. die Gewaltfreie Kommunikation als Werkzeug einführen, damit die Unternehmenskommunikation intern und extern beziehungsfördernder wird, im Unternehmen aber noch das Paradigma von Wettbewerb und Konkurrenz herrscht, raten Sie mal, was dann mit dem neuen Kommunikationsmodell passiert! Wenn Unternehmen den Lean Management Ansatz einführen, mit der vordergründigen Absicht, die Hierarchien zu verschlanken und Mitarbeiter mehr zu beteiligen, dahinter aber die versteckte Absicht liegt, Kosten zu senken und wieder mehr Gewinne zu machen, wird die Veränderung keine nachhaltigen Ergebnisse zutage fördern.

Es wäre also zunächst notwendig, den vorherrschenden kulturellen Kontext zu verändern, in den das Unternehmen oder die Organisation eingebettet ist. Das kann bedeuten, dass Sie sich des vorherrschenden Kontexts zunächst erst einmal bewusst werden müssen. Dazu können Fragen hilfreich sein, wie:

  • Was ist unsere Absicht als Unternehmen/Organisation? Und was ist die vielleicht dahinter liegende Absicht?
  • Warum sind unsere Strukturen so wie sie gerade sind? Wer hat sie gemacht und warum? Welcher Absicht dienen diese Strukturen? Was ermöglichen sie – was verhindern sie?
  • Wie definieren wir Führung und wie wird diese gelebt? Warum führen wir genau in dieser Weise? Wer hat diese Art der Führung eingeführt und warum? Welcher Absicht dient diese Art der Führung? Was ermöglicht sie – was verhindert sie?
  • Wie sehen wir die Welt/den Markt in der/dem wir uns bewegen? Woran glauben wir diesbezüglich? Von welchen Grundannahmen gehen wir aus? Wozu führen diese Grundannahmen?

Die Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmen und Organisationen kein Bewusstsein darüber haben und die o.g. Fragen zunächst nicht beantworten können. Der Kontext wurde nicht bewusst deklariert und ist somit unbewusst entstanden oder übernommen worden. Strukturen sind oftmals einfach unbewusst gewachsen – und zwar auf dem Nährboden, den die Beteiligten durch Gesellschaft, Erziehung, Bildung etc. als gültige Lehrmeinung zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Das Bewusstmachen des vorherrschenden Kontexts in einem Unternehmen oder einer Organisation ist ein erster Schritt der Transformation von einer unbewussten und dadurch unverantwortlichen Organisation zu einer bewussten, verantwortlichen und damit erwachsenen Organisation, die verantwortlichen Absichten dient. Nachdem der vorherrschende Kontext bewusst gemacht wurde, kann er in einem nächsten Schritt dann ganz bewusst neu gesetzt werden. Getreu dem Motto: welchen kulturellen/ideellen Kontext wollen wir in dieser Organisation gemeinsam wählen? Erst wenn der Kontext bewusst und klar deklariert wurde, ist der Boden bereitet für entsprechende bewusste Veränderungen. Bevor Sie also mit neuen Methoden Ihre Organisation/Ihr Unternehmen optimieren wollen, lohnt es sich den Kontext zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern. Denn der Kontext bestimmt, was möglich ist!

Konflikte sind Katalysatoren für Evolution

Konflikte sind Katalysatoren für Evolution

Wenn du Konflikte vermeidest, vermeidest du das Leben selbst

Konflikte – wer mag sie schon? Da könnten wir doch gut und gerne darauf verzichten. Zumindest denken wir das oft, wenn Konflikte in unserem Leben am Horizont auftauchen. Warum muss das Leben so kompliziert sein? Können wir nicht einfach unsere Ruhe haben – in Harmonie sein? Und schon kommt wieder einer und macht uns das Leben schwer. Oder wir selber machen uns das Leben schwer durch Unzufriedenheit, die einen inneren Konflikt in uns auslöst. Und schon wird es wieder anstrengend. Das ist es zumindest, was wir über Konflikte gelernt haben. Sie sind anstrengend und gefährlich. Es gibt viel zu verlieren, wenn es zum Konflikt kommt: unseren Status, unsere Position, unsere Beziehung, unser Geld, usw. Im schlimmsten Fall – wenn der Konflikt total eskaliert – könnten wir sogar unser Leben verlieren. Grund genug also, um Konflikte möglichst zu vermeiden!

Ein weiterer Grund, warum wir Konflikte scheuen, ist, weil sie stark mit Gefühlen verbunden sind. Wut, Traurigkeit und Angst sind die ständigen Begleiter bzw. auch die Auslöser von Konflikten. Und wenn wir diese Gefühle als negativ bewerten, werden wir automatisch auch Konflikte als negativ bewerten und so gut wie möglich zu vermeiden versuchen. Wenn wir uns taub machen gegenüber unseren Gefühlen, werden wir gleichzeitig auch taub in Bezug auf Konflikte. Wir merken dann erst sehr spät, wenn ein Konflikt aufzieht. Manchmal ist ein Konflikt schon eskaliert, bis wir überhaupt merken, dass etwas nicht stimmt. Gleichzeitig ist unsere Fähigkeit, adäquat auf Konflikte zu reagieren wenig ausgeprägt. Das heißt die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir mit unseren automatischen Verhaltensmustern auf den eskalierenden Konflikt reagieren und es so tatsächlich zu Streit und Verhärtung kommt. Dies wiederum hält unsere negative Sichtweise auf Konflikte aufrecht – ein Teufelskreis.

Aber was sind Konflikte eigentlich wirklich? Zum Konflikt kommt es, wenn zwei scheinbar unvereinbare Sichtweisen, Meinungen, Ziele, Positionen oder ähnliches aufeinandertreffen. Dies kann zwischen mehreren Personen oder Personengruppen als äußerer Konflikt, aber auch innerhalb einer Person als innerer Konflikt stattfinden. Konflikte legen also offen: hier liegt eine Differenz, eine Unausgeglichenheit, eine Spannung zwischen zwei Polen vor! Punkt. Sonst nichts. Der Konflikt an sich ist also weder gut noch schlecht – er ist lediglich ein Indikator dafür, dass die Realität im Moment von unserer Vision oder unserer Optimalvorstellung abweicht. Der Konflikt informiert uns lediglich, dass es unter Umständen einer Veränderung bedarf.

Und die durch den Konflikt entstehenden Gefühle würden uns die entsprechende Handlungsenergie für diese Veränderung zur Verfügung stellen, wenn wir in der Lage sind, diese bewusst und verantwortlich zu benutzen. Die Wut könnten wir zum Beispiel im Konfliktfall dazu benutzen, Klarheit zu schaffen und Grenzen zu setzen. Die Traurigkeit könnten wir dafür benutzen, uns in unser Gegenüber einzufühlen und authentisch unsere Vision zu kommunizieren oder herauszufinden, was uns verbindet. Oder wir könnten die Traurigkeit auch dafür benutzen, um alte Gewohnheiten und Positionen loszulassen und uns der Veränderung zu öffnen. Die Angst im Konflikt könnte uns dafür dienen, vorsichtig vorzugehen und ungewöhnliche Lösungen zu finden, um den Konflikt zu lösen.

Selbst die Natur nutzt dieses Potenzial, das im Ausgleich eines ‚Konflikts‘ steckt, also im Ausgleich der Spannung zwischen zwei Zuständen oder zwei Polen. Denken wir nur mal an ein Gewitter, an den Vorgang der Osmose, die elektrische Stromerzeugung oder ganz einfach auch an den Prozess der Evolution von Lebewesen, der zu einer Anpassung an ein sich änderndes Umfeld führt. In der Harmonie selbst steckt keine Energie – erst die Spannung, die Differenz erzeugt die Notwendigkeit des Ausgleichs und damit die Energie zur Veränderung. Die Natur würde also niemals die Spannung vermeiden, sondern sie nutzt die in der Spannung enthaltene Energie für den Ausgleich. Der Konflikt entspricht also einem Naturgesetzt. Leben und Evolution ohne Spannung und Konflikt wäre also nicht möglich! Insofern sind Konflikte Katalysatoren für Evolution!

Wenn wir allerdings Konflikte vermeiden wollen und nicht wahrnehmen, stellen wir uns gegen das Leben und gegen die Evolution. Der Konflikt wird dann automatisch größer und eskaliert, weil die Evolution dann einfach eine größere Spannung und mehr Energie benötigt, um die notwendige Veränderung in Gang zu bringen. Dadurch bekommen Konflikte doch eine völlig andere Bedeutung, als die traditionelle Sichtweise, die uns konfliktscheu macht. Die Frage ist nur, wie wir mit Konflikten umgehen. Der erste Schritt ist in jedem Fall, unsere Perspektive auf Konflikte zu verändern:

 Konflikt – traditionelle SichtweiseKonflikt – neue Sichtweise
= Gegeneinander kämpfen= Katalysator für Evolution
Ist ein ProblemWachstumschance
Ist unverantwortlichDas Problem ist die Lösung
Man ist ohnmächtig, man kann nichts tunschafft Gemeinsamkeit
Ist ein persönlicher Angriffgibt Energie zum Handeln
Streit, Verhärtungbedeutet Evolution
Sollte man nicht habenist das Salz in der Suppe
Angst vor Trennung/vor Verlust der Beziehunglebendig, gehört zum Leben
bedeutet Scheiternbringt Dinge weiter
ist negativInitiator von Veränderung
heißt, man hat es nicht im GriffRaum zwischen zwei Zuständen
bringt Sand ins Getriebeführt zu Entscheidungen
läuft unterschwellig ab, d.h. ist gefährlichholt aus der Komfortzone heraus
beschädigt Beziehungenweckt auf
führt zu KriegIndikator für Veränderungsnotwendigkeit
beinhaltet EskalationspotenzialGewitter reinigt die Luft, bringt Klarheit
ist anstrengendNatur nutzt die Spannung als Sprungbrett auf die nächste Ebene
Angst vor Schmerz und Zurückweisungist ein Prinzip
Angst zu verlierenist verantwortlich
ist ein Makel / eine Schwächebedeutet Kreativität
muss hinter verschlossenen Türen ausgetragen werdenbringt Schöpferkraft
ist ein Tabuaktiviert den Krieger in uns
ist unangenehmsorgt für Entwicklung
Ohnmacht, OpferEskalation bedeutet: mehr Energie für Veränderung
es geht um Recht haben 
basiert auf Verteidigung von Positionen 
ist boxgeneriert 

Der zweite Schritt besteht darin, dass wir lernen, unsere Gefühle wieder in Besitz zu nehmen, um sie bewusst und verantwortungsvoll nutzen zu können und um Konflikte konstruktiv in notwendige Veränderungsprozesse zu verwandeln. Und natürlich sind neue kommunikative Werkzeuge dafür sehr nützlich, um nicht immer in die Falle unserer automatischen kommunikativen Muster zu verfallen, die im Konfliktfall eher zu Streit und Verhärtung führen.

Derzeit tobt ein Konflikt zwischen der Natur und der modernen Gesellschaft, die immer noch an das Paradigma des unendlichen Wachstums glauben will. Ein Großteil der Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, verschließt ihre Augen vor diesem Konflikt, in der Hoffnung, er würde von selbst vorübergehen. Das wird nicht passieren! Im Gegenteil, je länger wir diesen Konflikt ignorieren, desto größer wird die Spannung und desto größer wird die Energie sein, welche die Evolution aufbringen muss, um die notwendige Veränderung in Gang zu bringen. Wenn dieser Konflikt irgendwann total eskaliert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir mit unserem Leben bezahlen.

Also, Augen auf und durch!

Nützliche Fragen:

  • Was ist Ihre tiefe innere Haltung zu Konflikten? Sind Sie harmoniesüchtig?
  • Nehmen Sie ein großes Blatt und malen Sie eine Konfliktlandkarte Ihres aktuellen Lebens. In welchen Lebensbereichen schwelen Konflikte (im Außen oder Innen), die Sie lieber nicht wahrnehmen wollen?
  • Welche Gefühle sind mit diesen versteckten Konflikten verbunden (Wut, Angst, Traurigkeit, Freude)?
  • Welche Möglichkeiten verbergen sich hinter diesen Konflikten? Welche Vision verfolgen Sie in diesen Bereichen? Malen Sie sich in den buntesten Farben aus, wie es für Sie wäre, wenn diese Visionen Wirklichkeit werden würden.
  • Was glauben Sie, wäre notwendig, um in Richtung dieser Visionen tätig zu werden?
Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei

Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei

Wenn Sie alles alleine machen, erreichen Sie nur einen Bruchteil dessen, was wirklich möglich ist

Ich weiß nicht genau, wann und wodurch es passiert ist, aber irgendwann in meinem Leben habe ich mich zum Einzelkämpfer entwickelt. Zum ‚lonesome warrior‘, der alles unter Kontrolle hat und es irgendwie alleine hinkriegt. Und das obwohl ich fast immer einen Partner und gute Freunde hatte und auch Teil von Teams war! Verrückt – aber es war mir einfach nicht bewusst, denn ich hatte Erfolg und es gab andere Menschen in meinem Leben! Wie sollte ich da jemals darauf kommen, dass ich ein Einzelkämpfer bin? Erst als ich anfing, die Kontrolle aufzugeben und bewusst gemeinsam mit anderen zu kreieren, wurde mir klar, dass ‚es alleine hinzukriegen‘ eine beliebte Strategie meiner Box ist, um zu überleben!

Diese Strategie hat so gut funktioniert und ist mir so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mich jetzt teilweise wirklich dazu zwingen muss, mich anders zu verhalten. Offensichtlich habe ich einen großen Nutzen aus dem Einzelkämpfertum gezogen, der mir nun Stück für Stück bewusst wird. Hier eine Liste der Aspekte, die ich bisher ausmachen konnte – vielleicht finden Sie noch weitere Aspekte bei Ihnen selbst?

Nutzen des Einzelkämpfertums:

  • Ich habe ‚vermeintlich‘ alles unter Kontrolle und bestimme, wo es lang geht.
  • Ich muss mich nicht auf andere verlassen und mich nicht für Vertrauen entscheiden.
  • Ich muss mich nicht mit anderen absprechen, auf niemanden Rücksicht nehmen.
  • Ich muss nicht führen.
  • Wenn es Erfolg hat, kann ich den ganzen Ruhm für mich selbst einheimsen.
  • Wenn es schiefgeht, kann ich es viel leichter vertuschen.
  • Ich vermeide Feedback und Kritik, mein Handeln wird weniger hinterfragt.
  • Ich vermeide Nähe, Austausch und Beziehung.
  • Ich kann mich überwältigt fühlen und jammern oder wahlweise mich auch super wichtig fühlen und gebraucht – je nachdem, was mir gerade nützlich ist.
  • Ich habe immer eine Ausrede, um mich davor zu drücken, meine Visionen umzusetzen und die Welt zu verändern – denn alleine kann man sowieso nichts ausrichten und außerdem habe ich nur 24 Stunden pro Tag.

Ich war ziemlich geschockt, als mir das klar wurde. Insbesondere, dass dies meine unbewusste Ausrede war, mich nicht um die Dinge, die mir wirklich wichtig sind, kümmern zu können, weil diese Aufgaben viel zu groß für mich alleine sind! Seit Mitte letzten Jahres experimentiere ich mit einer anderen Art, meine Visionen und Projekte ins Leben zu bringen – nämlich mit der kreativen Kollaboration mit Gleichgesinnten. Ich führe meine Trainings nicht mehr alleine durch, sondern zusammen mit anderen Trainern. Ich rufe Projektteams ins Leben, zusammen mit Menschen, die ähnliche Visionen und Ziele haben wie ich, um diese Visionen und Ziele in die Tat umzusetzen. Bevor ich mir alleine über etwas den Kopf zerbreche, bitte ich Menschen um Möglichkeiten, Ideen, Unterstützung und Hilfe. Das hört sich an, als hätte ich nur kleine Dinge in meiner Vorgehensweise verändert und dennoch hat sich dadurch meine Art zu ‚arbeiten‘ völlig umgekrempelt.

Und der Gewinn, der sich aus dieser neuen Art des Vorgehens ergibt, macht den Verzicht auf den Nutzen, den ich durch das Einzelkämpfertum hatte, vollends wett. Hier seien nur einige genannt:

Kreative Kollaboration

  • Ich muss nicht mehr alles im Griff und unter Kontrolle haben (Ich merke erst jetzt, wie anstrengend das war!)
  • Das gemeinsame Arbeiten ist viel entspannter und es macht viel mehr Spaß.
  • Ich bin im Austausch und bekomme wertvolles Feedback.
  • Die gemeinsame Arbeit wird zu einem bewussten Lern- und Transformationsfeld für jeden einzelnen.
  • Wir haben in kürzerer Zeit viel mehr Ideen.
  • Wir bringen die Vielfalt und Unterschiedlichkeit unserer Talente in den Dienst derselben Sache und potenzieren dadurch die Effektivität.
  • Wir sind in Verbindung und gemeinsam schaffen wir ein Feld und genügend ‚Masse‘ für die Umsetzung unserer gemeinsamen Vision.
  • Gemeinsam sind wir in der Lage viel größere Ziele und kühnere Visionen umzusetzen, die wir alleine nicht mal zu denken wagen.

Und die Folge daraus: meine Projekte verändern sich, werden größer und weiten sich aus! Es geht nicht mehr um mich, sondern um die gemeinsame Sache. Es passieren Dinge, die ich als Einzelkämpfer noch nicht mal in Betracht gezogen habe, weil sie mir unmöglich erschienen. Vor kurzem hatten meine Trainerkollegin Nicola und ich eine Skype-Session mit einer sehr engagierten Frau aus Südafrika, bei der wir unsere Visionen geteilt und über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen haben.

Wenn wir also wirklich wollen, dass unsere authentischen Visionen und Ziele wahr werden, egal wie groß sie sind oder wie kühn sie auch erscheinen mögen, ist das Einzelkämpfertum nicht die beste Wahl, um dies zu erreichen.

Angesichts der globalen Herausforderungen, denen wir uns gegenüber sehen, fühlen wir uns alleine meist überwältigt und denken „Was kann ich schon tun? Ich alleine kann sowieso nichts ändern!“ – obwohl wir in unserem Inneren den Schmerz darüber, wie die Dinge laufen, deutlich spüren und eine klare Vision davon haben, was wir gerne verändern würden, wenn wir nur könnten. Auch das ist eine Form von Einzelkämpfertum, obwohl es eher etwas mit Aufgeben als mit Kämpfen zu tun hat. Diesem Gedanken liegt offensichtlich ebenfalls der Glaube zugrunde, dass wir es alleine hinkriegen sollten. Oder es ist nur eine lieb gewonnene Ausrede …

Es ist Zeit aufzuwachen und das Einzelkämpfertum zu verabschieden! Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, in Lichtgeschwindigkeit mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen, wie jetzt. Noch nie gab es so viele Gruppen, Gemeinschaften, Bewegungen und Initiativen, die sich der gemeinsamen Vision, neue Wege zu gehen, verschrieben haben, wie jetzt! Worauf warten Sie?

Nützliche Fragen:

  • Sind Sie auch auch ein Einzelkämpfer (Schauen Sie genau hin – es ist nicht immer leicht zu erkennen!)?
  • Welchen Nutzen ziehen Sie persönlich daraus, Einzelkämpfer zu sein (siehe Liste im Text oder andere Aspekte)? Sind Sie bereit, darauf zu verzichten?
  • Wofür würden Sie sich gerne einsetzen, wenn Sie nur ein Fünkchen Hoffnung hätten, dass Sie damit etwas verändern können? Was ist Ihre Vision von einer besseren Welt?
  • Finden Sie heraus, ob es bereits eine Gruppe, Initiative oder einzelne Menschen gibt, die sich für dieselbe Sache einsetzen (würden), die eine ähnliche Vision haben. Nehmen Sie Kontakt zu diesen Menschen auf und schauen Sie, was passiert.
  • Was könnten Sie alles tun und erreichen, wenn Sie es nicht alleine machen müssten?
Führung ist eine Form des Dienens

Führung ist eine Form des Dienens

Eine Führungsperson zu sein, heißt voraus zu gehen

Wir haben allerlei Vorstellungen im Kopf, wie eine Führungsperson zu sein hat. Und diese Vorstellungen sind in der Regel geprägt durch die aktuell gültige Kultur, in der wir leben, selbst wenn wir uns dessen nicht wirklich bewusst sind. Unsere derzeitige ‚Führungskultur‘ basiert immer noch auf den Grundlagen der industriellen Revolution – obwohl diese schon hunderte von Jahren zurückliegt – und auf den Grundlagen des Patriarchats – das noch viel weiter zurückliegt. Die globalen Auswirkungen, die diese Form der Führung mit sich gebracht hat, können wir am Zustand unseres Planeten und unserer Gesellschaft ablesen.

Die traditionelle Art der Führung ist ein Auslaufmodell, dessen Tage gezählt sind. Ich kenne einige Menschen, die sagen, sie wollen nicht führen, weil es ihnen viel zu anstrengend ist und sie dann nichts mehr von ihrem Leben haben und weil sie zur Verantwortung gezogen werden, wenn etwas schief geht. Verständlich, wenn wir uns das alte Führungsmodell mal genauer betrachten. Anführer in diesem Modell sind einsam – denn das Modell basiert auf hierarchischen Pyramiden-Strukturen, was bedeutet, dass nach oben hin die Luft immer dünner wird und die Führungspositionen immer rarer. Auf der anderen Seite steigen Gehälter, Belohnung und Ruhm, je weiter man in der Pyramide nach oben steigt. Diese Belohnung wird als ‚Schmerzensgeld‘ betrachtet für die Tatsache, dass man je weiter oben man ist, auch immer stärker zur Verantwortung gezogen wird für Fehler, die passieren. Dies führt zum Beispiel zu folgendem Verhalten:

  • Die Führungskraft muss alles besser wissen und besser können, damit kein anderer ihr die Position streitig machen kann.
  • Die Kreativität des Teams ist gefährlich und muss klein gehalten werden, da die Führungskraft sonst nicht mehr alles unter Kontrolle hat und ihre Position in Gefahr ist.
  • Die Führungskraft schafft sich ein Team von angepassten, Ja-sagenden Mitläufern, die die Arbeit erledigt und Regeln befolgt.
  • Die Führungskraft darf unter keinen Umständen Fehler machen und wenn, dann muss sie versuchen diese zu vertuschen.
  • Die einzigen Freuden, die eine Führungskraft im alten Modell aus ihrer Arbeit beziehen kann, sind Macht und Geld. Das heißt, um einen angemessenen Ausgleich für diese anstrengende Tätigkeit zu erhalten, muss die Führungskraft ihre Position so gut wie möglich ausnutzen.
  • Eine Führungskraft darf nichts fühlen, da sie sonst nicht in der Lage ist, harte Entscheidungen zu treffen.

Und das System erhält sich selbst dadurch, dass die einen unter solchen Umständen lieber zu angepassten Mitläufern mutieren, die ihre Ruhe haben, und die anderen lieber einsam und in Gefahr sind, aber dafür Macht, Ruhm und Geld auskosten. Passt doch gut zusammen, oder?

Die gute – oder auch schlechte? – Nachricht: immer mehr Menschen wird bewusst, dass diese alte Form der Führung nicht mehr funktioniert und auch nicht tragfähig ist. Diktatoren werden gestürzt, unverantwortliche Politiker wandern ins Gefängnis und Angestellte verlassen ihre Unternehmen, weil sie mit der Führung nicht zufrieden sind. Alle Zeichen stehen auf Rot – doch was kommt als nächstes? Wir wissen es nicht! Und um diesen Übergang in die noch unbekannte nächste Kultur zu schaffen, brauchen wir eine neue Art von Führungspersonen. Nämlich Menschen, die bereit und in der Lage sind, in unbekanntes Gebiet vorauszugehen, ohne bereits zu wissen, wie es geht! Die Führungskräfte der nächsten Generation sind ‚Edgeworker‘ – Grenzgänger, Vorreiter, Kulturpioniere und (R-)Evolutionäre! Vielleicht sind Sie so eine Person?

Doch worauf wird es bei der Führung der nächsten Generation ankommen? Einen ersten Versuch der Unterscheidung unternimmt die folgende Landkarte:

Führung traditionellEdgeworking
Fremdorganisation des TeamsSelbstorganisation des Teams
Verbesserung, OptimierungVeränderung, Transformation, Entwicklung
Anordnung & KontrolleInspiration & Motivation
Richtlinien & RegelnVision & Kontext
Druck (Ziele, Vorgaben, Belohnung und Strafe)Sog (Spirit, Vertrauen, Gemeinschaft, Coaching)
Vorgeben, selbst machenRaum halten
Alles wissen und können müssenIntelligenz des Teams freisetzen
EinzelkämpferKreative Zusammenarbeit
Prozesse & StandardsSchnelles Lernen & Fantasie
Sach- und GewinnorientierungMenschen- und Bestimmungsorientierung
AnalysierenErfinden
Lineares Denken & HandelnNichtlineares Denken und Handeln
Veränderungen reaktiv managenProaktiv Veränderung herbeiführen
Limitierte Ressourcen managenUnbegrenzte Ressource von Möglichkeiten sein
Dringlich/KurzfristigLangfristig/Nachhaltig
Risiken vermeidenChancen nutzen
Macht ausüben …Sinn stiften …

Solche ‚Edgeworker‘ werden nicht nur in Unternehmen gebraucht! Egal, welchem Projekt Sie dienen, welche Spielwelt Sie sich kreiert haben – sei es eine Familie, eine bestimmte Sache, der sie sich verschrieben haben, ein soziales Projekt, eine Abteilung, eine Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel, ein Unternehmen oder vielleicht ein Land – jede Art von Spielwelt braucht ‚Edgeworker‘ die ins Unbekannte vorausgehen und dort eine neue Realität schaffen, in die sich die Spielwelt dann hinein entfalten und ihrem Zweck dienen kann.

Klar, dass Führungspersonen der nächsten Kultur ungewöhnliche Fertigkeiten und Soft-skills benötigen, die in unseren ‚normalen‘ Schulen und Ausbildungen nicht zur Verfügung gestellt werden, da diese selbst noch dem alten Paradigma der traditionellen Führung unterliegen. Hier ein paar Beispiele dieser neuen notwendigen Soft-skills:

Führungspersonen der neuen Generation

  • haben Zugang zu ihren vier Grundgefühlen und nutzen sie verantwortlich:
    Angst, um sich wirklich in neue Gebiete vorwagen und Neues kreieren zu können,
    Wut, um Klarheit zu schaffen, Grenzen zu setzen und Dinge ins Rollen bringen zu können,
    Traurigkeit, um wirklich in Verbindung mit den Menschen in ihrer Spielwelt zu sein und um authentisch zu kommunizieren und
    Freude, um Menschen mitzureißen, zu motivieren und echte Gemeinschaft zu kreieren
  • sind bereit, Fehler zu machen und schnell zu lernen, um in unbekanntem Terrain effektiv sein zu können,
  • haben ihren persönlichen Initiationsprozess ins verantwortliche Erwachsensein durchlaufen und sehen Verantwortung nicht als Last, sondern als Kraftquelle, um ihre Spielwelt gemäß ihrer Vision zu gestalten
  • stellen sich in den Dienst von etwas Größerem als sich selbst
  • sind sich ihrer Unterwelt bewusst
  • sind in der Lage, für sich selbst und ihre Spielwelt Möglichkeiten aus dem Nichts zu erschaffen
  • sind bereit, allgemein anerkannte Regeln zu brechen und das ‚Konventionelle‘ und ‚Normale‘ zu piratisieren für einen höheren Zweck (z.B. Evolution)
  • sind bereit, sich unbeliebt zu machen, weil sie als ‚Edgeworker‘ der Repräsentant von Veränderung sind und Veränderung unbequem ist

etc.

Wie wär’s? Klingt dieser Job spannend genug für Sie?

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